ArchivDeutsches Ärzteblatt3/2007RANDNOTIZ: Klare Worte

AKTUELL

RANDNOTIZ: Klare Worte

Dtsch Arztebl 2007; 104(3): A-81 / B-77 / C-73

Schmedt, Michael

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS Im Altertum tötete man die Überbringer schlechter Nachrichten. Die Sitten sind erfreulicherweise nicht mehr so rau, dennoch bleibt die Frage, welcher der richtige Weg ist, um ohne Schaden solche Nachrichten zu übermitteln. Politiker gelten landläufig als Meister im Verkaufen schlechter Nachrichten, schließlich sind sie abhängig vom Votum der Empfänger. Dafür sind sie aber selten Freunde des klaren Wortes. In der Gesundheitspolitik müssen in den letzten Jahren regelmäßig die gesetzlichen Krankenkassen ihren Mitgliedern unangenehme Sachverhalte sprich Beitragssatzsteigerungen nahebringen. Wie bei Politikern setzt hier schlagartig das Bemühen ein, klare Worte zu vermeiden. Ein Paradebeispiel ist eine Pressemitteilung der Gmünder Ersatzkasse (GEK), in der diese eine Beitragssatzerhöhung zum 1. Januar 2007 ankündigt. Von Verben wie „anheben“ oder „erhöhen“ keine Spur – zumindest nicht im Zusammenhang mit dem eigenen Beitragssatz. Da belässt man es lieber bei der „Beitragssatzkorrektur“, das klingt schließlich positiver. Aber was heißt eigentlich Korrektur? Im Duden stehen unter dem Eintrag „Korrektur“ die beiden Begriffe „Berichtigung“ und „Verbesserung“. Hat sich die Kasse vielleicht die letzten Jahre vertan, und es winken sogar Rückerstattungen? Das wären schließlich Verbesserungen. Doch so naiv ist der Patient nicht. Denn trotz aller Bemühungen der GEK, weder von Erhöhung noch Anhebung zu sprechen, erkennt der Versicherte schnell, dass er trotz der „Beitragssatzkorrektur“ beziehungsweise der „Beitragssatzanpassung“ keine Verbesserung zu erwarten hat. Klare Worte hätten zwar auch nicht geholfen, aber der Versicherte hätte zumindest nicht den Eindruck gewonnen, er werde für dumm verkauft.
Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema