ArchivDeutsches Ärzteblatt3/2007NT-proBNP sagt Myokardinfarkt voraus

AKTUELL: Akut

NT-proBNP sagt Myokardinfarkt voraus

Dtsch Arztebl 2007; 104(3): A-82 / B-78 / C-74

Meyer, Rüdiger

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LNSLNS Eine Studie im amerikanischen Ärzteblatt JAMA (2007; 297: 169–76) zeigt, dass NT-proBNP, ein bei Volumenbelastung vom Herzmuskel freigesetztes Hormon, bei Patienten mit stabiler koronarer Herzkrankheit (KHK) von prognostischer Bedeutung ist. In der prospektiven Kohortenstudie hatten die KHK-Patienten ein achtfach erhöhtes Risiko auf kardiovaskuläre Ereignisse, wenn ihr NT-proBNP-Wert im oberen Bereich lag.
Ein Nachweistest wurde zur Diagnose der Herzinsuffizienz entwickelt. Doch seit einiger Zeit gibt es Hinweise, dass der Test auch bei KHK sinnvoll sein könnte. Die Studie zeigt zunächst, dass bei Patienten mit stabiler KHK erhöhte NT-proBNP-Werte keineswegs selten sind, wie Kirsten Bibbins-Domingo von der Universität von Kalifornien in San Francisco berichtet. Die Epidemiologin wertete die Daten der Heart and Soul Study aus, die seit dem Jahr 2000 eine Gruppe von KHK-Patienten beobachtet. Sie untersucht, welche Auswirkungen psychologische Faktoren auf die Prognose haben. Da jedoch Blutproben vorhanden waren, konnte die Wissenschaftlerin die Daten für ihre Zwecke entfremden. Überraschend war, dass jeder vierte Teilnehmer (26,2 Prozent) erhöhte NT-proBNP-Werte hatte; und von diesen lagen die Werte bei jedem Vierten über 460 pg/ml.
Studie ist primär für die Forschung interessant
In dieser Gruppe kam es in den ersten 3,7 Jahren der Nachbeobachtung bei mehr als der Hälfte zu einem kardialen Ereignis oder zum Tod (134 von 246 Teilnehmern). Dies ergibt eine jährliche Ereignisrate von 19,6 Prozent, die fast achtmal so hoch war wie die jährliche Ereignisrate von 2,6 Prozent bei den Patienten mit niedrigen NT-proBNP-Werten (1. Quartil: 8,06–73,95 pg/ml). Jeder Anstieg der NT-proBNP-Werte um 1,3 pg/ml war mit einem Anstieg der Ereignisrate um 70 Prozent assoziiert, wobei bei Berechnung dieser Hazard-Ratio von 1,7 (95-Prozent-Konfidenzintervall) bereits andere mögliche Risikofaktoren berücksichtigt wurden.
Dennoch raten die Autoren vorerst nicht zu einer routinemäßigen Bestimmung des NT-proBNP-Wertes. Denn therapeutische Konsequenzen lassen sich nicht ableiten. Die Studie ist deshalb primär für die Forschung interessant. Denkbar sind jetzt klinische Studien, in denen untersucht wird, ob therapeutische Interventionen wie bei der Herzinsuffizienz bei Patienten mit KHK ebenfalls sinnvoll sein könnten, auch wenn bei ihnen klinisch nichts auf eine Herzinsuffizienz hindeutet. Rüdiger Meyer
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