ArchivDeutsches Ärzteblatt3/2007Rauchfreie Krankenhäuser: Aktiv gegen Qualm und Nikotinsucht

POLITIK

Rauchfreie Krankenhäuser: Aktiv gegen Qualm und Nikotinsucht

Dtsch Arztebl 2007; 104(3): A-92 / B-86 / C-82

Hibbeler, Birgit

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Foto: Birgit Hibbeler
Foto: Birgit Hibbeler
Das Evangelische Krankenhaus Weyertal in Köln sieht sich als Vorreiter für Nichtraucherschutz und Gesund­heits­förder­ung.

Menschentrauben, die sich um überquellende, qualmende Aschenbecher versammeln, sucht man am Eingang des Evangelischen Krankenhauses Weyertal vergeblich. Dort, wo sonst die Raucher ihren festen Stammplatz haben, steht lediglich ein Schild: „Hier nur ausmachen – nicht rauchen. Bitte benutzen Sie die Raucherbereiche im Garten.“ Nicht nur im Gebäude der Kölner Klinik ist das Rauchen verboten, sondern auch vor der Tür. „Der Eingang ist einer der sensibelsten Bereiche des Krankenhauses“, findet Jörg Gommersbach-Löffler vom Zentrum für Sport und Medizin des Hauses und Geschäftsführer der „Projektgruppe Rauchfreies Krankenhaus“. Ärzte, Pflegekräfte und Patienten mit einer Zigarette in der Hand sind aus seiner Sicht kein Aushängeschild für eine Klinik.
Während die Politik darüber streitet, wie ein sinnvoller Nichtraucherschutz aussehen könnte, hat man im Krankenhaus Weyertal eine praktikable Lösung gefunden: Rauchen ist grundsätzlich überall im Gebäude sowie auf dem Gelände verboten, abgesehen von ausgewiesenen Zonen, die sich im Außenbereich, in erster Linie im Garten, befinden. Dort wurde ein Pavillon errichtet; es gibt ein Raucherzimmer, das über den Garten zugängig ist.
Die Akzeptanz bei den Mitarbeitern sei gut. „Von der Idee waren alle überzeugt, Raucher und Nichtraucher“, meint Gommersbach-Löffler. Allerdings räumt er ein, habe sich die praktische Umsetzung anfangs schwierig gestaltet, denn bis Raucher ihr Verhalten auch wirklich änderten, sei es ein langer Weg. Als ausgesprochen wichtig stuft er ein, dass die Umsetzung des Nichtraucherschutzes konfliktfrei und im Konsens ablaufe. „Raucher in der Projektgruppe sind etwas ganz Wertvolles.“ Für das Krankenhaus wertet Gommersbach-Löffler die Maßnahme als einen Imagegewinn.
Die Kölner Einrichtung hat weit mehr getan, als Rauchverbotsschilder aufzuhängen. Personal und Patienten werden im Kampf gegen ihre Nikotinsucht unterstützt. Mitarbeiter können kostenlos an Entwöhnungskursen teilnehmen. In den Anamnesebögen taucht nicht nur die Frage nach Nikotinabusus auf, sondern jeder Patient wird bei Aufnahme darauf angesprochen, ob er mit dem Rauchen aufhören möchte. Wenn gewünscht, erhält er ein individuelles Beratungsgespräch. Auch Raucherentwöhnungskurse für die Bevölkerung stehen im Weyertal auf dem Programm.
Das Krankenhaus erhielt für sein Engagement das Silber-Zertifikat des „European Network Smoke-free Hospital“. Zudem ist es Mitglied im „Deutschen Netz Rauchfreier Krankenhäuser“, dem etwa 100 Einrichtungen angehören. Die Umsetzung nichtraucherschützender Maßnahmen steht allerdings mancherorts noch am Anfang.
Dr. med. Birgit Hibbeler

Weitere Informationen im Internet: www.rauchfreie-krankenhaeuser.de
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