ArchivDeutsches Ärzteblatt3/2007Börsebius: Achtung, Insider!

GELDANLAGE

Börsebius: Achtung, Insider!

Dtsch Arztebl 2007; 104(3): A-140 / B-128 / C-124

Rombach, Reinhold

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LNSLNS Über Fluch und Segen des Internets sind schon unzählig viele Bits und Bytes verbraten worden, so viel schwarze Tinte hätte es früher vermutlich gar nicht gegeben. In Sachen Geldanlage gibt es in diesem Medium ebenfalls viel Not und Elend. Wer sich einmal die Mühe macht, die diversen Börsenchatrooms aufzusuchen, findet blühenden Unsinn allerorten; darüber hinaus ist die Szene garniert mit bösen Buben, die andere Leute mit windigen Empfehlungen aufs Kreuz legen wollen. Wer glaubt, in solchen Foren Insiderinformationen oder wertvolle Tipps zu bekommen, irrt gewaltig.
Andrerseits ist durch die Möglichkeit, Internetbanking zu betreiben und online zu „dealen“, für viele der Weg zum Börsianer leichter geworden. Und es gibt schon auch Seiten, auf denen sich einigermaßen verlässliche und allgemein zugängliche Börseninformationen abrufen lassen, etwa www. finanztreff.de und www.comdirect.de.
Wirklich substanzstarke Informationen, die dem Anleger einen Wissensvorsprung gegenüber anderen Usern verschaffen, so sie nur richtig ausgewertet oder interpretiert werden, gibt es aber nur sehr vereinzelt. Eine Quelle, die bei mir immer wieder begeistertes Staunen auslöst, ist die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht, deren Namens-Kurzform sich auch in der Internetadresse www.bafin.de widerspiegelt. Insbesondere die Seite mit den sogenannten Directors’ Dealings birgt eine wahre Fundgrube interessanter Börseninformationen.
Aufgrund gesetzlicher Bestimmungen sind nämlich die Organe einer Aktiengesellschaft, also etwa Vorstandsmitglieder oder Aufsichtsräte wie auch Personen aus deren Umfeld, verpflichtet, sowohl Käufe als auch Verkäufe von Aktien „ihres“ Unternehmens im Internet zu veröffentlichen, und zwar zeitnah.
Das Erstaunliche (oder auch nicht) zeigt sich einfach darin, dass in der Vergangenheit dieser Personenkreis ganz gut die Zukunftsaussichten seines Unternehmens einschätzen konnte. Damit ist natürlich ein „Feeling“ verbunden, ob der derzeitige Börsenkurs zu hoch oder zu niedrig ist, ansonsten würden ja diese Transaktionen gerade nicht stattfinden, von anderen Motiven wie Steuerzahlungen oder Erbschaftsauseinandersetzungen einmal abgesehen.
Wer also auf das Agieren dieser Top-Manager genau achtet, kann seismografisch die Aussichten der kommenden Börsenmonate besser abschätzen, als er es jemals mit dem Studium von Hunderten Analystenempfehlungen hinbekäme. Sehr aufschlussreich ist der momentane Trend. Während viele Bankexperten immer noch optimistisch für Aktien sind, ist der Indikator der „Directors’ Dealings“ schon klar negativ, will heißen, immer mehr „Insider“ stoßen Aktien ab, Käufe gibt es dagegen nur vereinzelt. Das bedeutet für die Kurse der nächsten Zeit nichts Gutes. Wer schlau ist, richtet sich auf diese unübersehbaren Warnzeichen ein.
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