ArchivDeutsches Ärzteblatt4/2007Telomere als kardialer Risikofaktor

AKTUELL: Akut

Telomere als kardialer Risikofaktor

Dtsch Arztebl 2007; 104(4): A-150 / B-138 / C-134

Meyer, Rüdiger

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LNSLNS Die Länge der Telomere an Chromosomen gilt als ein Marker für das biologische Altern. Die Auswertung einer älteren Interventionsstudie zum Wert der Cholesterinsenkung im Lancet (2007; 369: 107–14) zeigt nun, dass kurze Telomere in den Chromosomen mit einem erhöhten kardialen Risiko assoziiert sind. Unter der Behandlung mit einem Statin war dieser Einfluss nicht mehr vorhanden. Die West of Scotland Primary Prevention Study (WOSCOPS) gehörte zu den Studien, die in den 1990er-Jahren die kardiopräventive Wirkung der Lipidsenkung mit Statinen belegt haben. Teilgenommen hatten 6 595 Männer mit erhöhten Cholesterinwerten, die auf eine Therapie mit 40 mg/die Pravastatin oder Placebo randomisiert worden waren. Nilesh Samani von der Universität Leicester hat jetzt mit einer neuen Technik in tiefgefrorenen Blutproben die Länge der Telomere bestimmt. Telomere sind die Endstücke der Chromosomen, die sich durch die Wiederholung bestimmter DNA-Sequenzen auszeichnen. Beim Menschen sind es bei der Geburt etwa 10 000 bis 20 000 Wiederholungen. Mit jeder Zellteilung werden es weniger, bis schließlich die Zellteilungen gestört sind.
Verminderte Reparaturvorgänge
Samani verglich die Länge der Telomere von 484 Personen, die im Verlauf der WOSCOPS-Studie eine koronare Herzkrankheit entwickelten, sowie von 1 058 Personen, die davon verschont blieben. Im Placebo-Arm bestand eine klare inverse Assoziation zwischen der Telomer-Länge und der Rate der kardiovaskulären Ereignisse. Personen aus der mittleren und unteren Tertile der Telomer-Länge hatten ein doppelt so hohes Risiko wie jene, deren lange Telomerstücke ein junges molekularbiologisches Alter anzeigten. Interessanterweise war eine entsprechende Korrelation bei den Teilnehmern des Pravastatin-Arms nicht erkennbar. In einem Editorial bewerten Ioakim Spyridopoulos und Prof. Dr. rer. nat. Stefanie Dimmeler von der Universität Frankfurt/Main die Ergebnisse (Lancet 2007; 369: 81–2).
Es sei denkbar, dass verkürzte Telomere
im Alter die Funktion der Abwehrzellen beeinträchtigten mit der Folge verminderter Reparaturvorgänge an den Endothelien, was in den Koronarien eine beschleunigte Atherosklerose zur Folge hätte. Statine könnten über ihre dokumentierte Wirkung auf vaskuläre und entzündliche Zellen diese Folgen des Alterns aufhalten. Das sind allerdings nur Spekulationen. Völlig unklar bleibt, wie Statine die Länge der Telomere beeinflussen könnten. Rüdiger Meyer
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