ArchivDeutsches Ärzteblatt4/2007Nachwuchsmangel: Schlechte Strukturierung
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Die zitierten Daten sind ohne Zweifel alarmierend und bedürfen der schonungslosen Aufarbeitung . . . Aber warum trifft es gerade die Chirurgen so hart? Ich muss Herrn Generalsekretär der DGCH, Prof. Dr. med. H. Bauer, recht geben, wenn er fordert, dass wir keine neuen Analysen brauchen . . . Wo der Schuh drückt, ist allen in der Chirurgie Tätigen bekannt. Nur Taten müssen folgen . . . Es gibt sicherlich viele Gründe für das Wegbrechen des chirurgischen Nachwuchses, aber einer der Hauptgründe ist nicht die Bürokratie, ist nicht die Arbeitszeit, sondern ist die schlechte Strukturierung der chirurgischen Weiterbildung in Deutschland. Leider vermag die neue Weiter­bildungs­ordnung dies in keinerlei Hinsicht zu verbessern. Der junge Arzt braucht ein Jahr länger, um zu seinem ersten Facharzt zu gelangen. Er ist dann aber schon subspezialisiert. Inwieweit dies ein Fortschritt ist, vermag jeder selber zu beurteilen. Das Führen von Weiterbildungsgesprächen, von Logbüchern ist ein gut gemeinter Schritt, wird aber an den fehlenden Strukturen überhaupt nichts ändern. Erste Analysen aus Bayern zeigen, dass sich dadurch überhaupt nichts geändert hat. Aber viel schlimmer ist die aus meiner Sicht fast fahrlässige fehlende Strukturierung der Weiterbildung und Evaluierung der Weiterbilder (Train the Trainers). Aber auch die finanzielle Vergütung von Kliniken, die eine gute Weiterbildung machen, muss diskutiert werden. Hier müssen Strukturen geschaffen werden, die dies ermöglichen. Eine Art Qualitätssiegel der chirurgischen Weiterbildung, welches sich an strenge Kriterien orientiert, welches regelmäßig evaluiert wird, welches im Internet veröffentlicht wird und welches völlig transparent ist, sollte geschaffen werden. Aber nicht nur die Strukturen, sondern auch die Inhalte müssen neu bestimmt werden. Wir müssen uns darüber einigen, was der junge Facharzt können muss und in welcher Qualität wir dies von ihm verlangen, damit der OP-Katalog erfüllbar (realitätsnah) und durchführbar bleibt. Aber auch der Führungsstil des Weiterbilders muss berücksichtigt werden. Er muss Weiterbildung wollen, muss am Ende seiner eigenen Lernkurve sein. Eine Mischung aus autoritärem und kooperativem Führungsstil ist dafür notwendig. Der Weiterbilder muss ein Mindestmaß an kommunikativen Fähigkeiten, Toleranz, Geduld und Führungsverhalten besitzen. Diese Fähigkeiten sind zu großen Teilen persönlichkeitsorientiert und nur sehr spärlich erlernbar . . .
Dr. med. Matthias Krüger, Eichendorffstraße 20, 39114 Magdeburg
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