ArchivDeutsches Ärzteblatt4/2007Versorgung von Osteoporose-Patienten in Deutschland Ergebnisse der BoneEVA-Studie: Interessenkonflikt berücksichtigen
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LNSLNS Das Thema ist hochaktuell: Am 28. August 2006 erschien im Deutschen Ärzteblatt die Aufforderung des Gemeinsamen Bundes­aus­schusses zur Stellungnahme über „Osteodensitometrie als Maßnahme der Früherkennung beziehungsweise diagnostisch im Rahmen der kurativen Behandlung“ – denn bisher konnte nur nach erlittenen Frakturen abgerechnet werden.
Dies wäre für die breitere Indikation bestimmter Pharmaka von erheblicher Bedeutung. Nach den Ergebnissen der BoneEVA-Studie ist die bessere Compliance eines „wöchentlichen Therapieregimes […] zu begrüßen“. Interessanterweise erhielt auf einem Symposium von MSD Sharp & Dohme ein Bisphosphonat in Kombination mit Vitamin D3, das einmal wöchentlich einzunehmen ist, den Robert Koch Award 2006.
Die BoneEVA-Studie wurde anhand von Daten der Gmünder Ersatz-Kasse, des Zentralinstituts für die Kassenärztliche Versorgung und des Medizinischen Dienstes der Kran­ken­ver­siche­rung erarbeitet. Nach Aussage der Autoren sind die Stichproben nicht repräsentativ – lassen also keine weitreichenden Schlüsse zu. Wenn ausschließlich die genannten Daten benutzt wurden, bleibt die Frage offen, für welchen wissenschaftlichen Zweck die „Unterstützung“ der Kooperation mit den Firmen Hoffmann-LaRoche und GlaxoSmithKline gedacht war. Letztere wirbt für die monatliche Einnahme des Bisphosphonats „Bonviva“.
Ungeachtet unserer subjektiven Sicherheit gilt für alle: „Es gibt keine gefühlte Unabhängigkeit“ (Köbberling). Die freimütige Erklärung der Autoren ist zu begrüßen, auch wenn es zu denken gibt, dass fast alle beteiligten Autoren die genannten Firmen (und andere) beraten oder Gelder von ihnen erhalten. Für die Leser des British Medical Journal war eine Publikation mit ähnlicher Deklaration in einer randomisierten Studie signifikant weniger interessant, wichtig und glaubwürdig als derselbe Text mit unabhängigen Autoren (1).
Mithilfe der evidenzbasierten Medizin kann man kommerzielle Interessen kontrollieren – aber wie andere Methoden hängt auch sie von unserer individuellen Ehrlichkeit, Unabhängigkeit und wissenschaftlichen Einstellung ab (2).

Dr. med. Frank Praetorius
Internist/Kardiologe
Lauterbornweg 27
63 069 Offenbach am Main
1.
Chaudhry S, Schroter S, Smith R, Morris J: Does declaration of competing interests affect readers' perceptions? A randomised trial. BMJ 2002; 325: 1391–2. MEDLINE
2.
Praetorius F: Leitlinien im Spannungsfeld von Handlungsfreiheit, Unabhängigkeit und Regularisierung. Forum DKG 2006; 5/06: 52–7.
1. Chaudhry S, Schroter S, Smith R, Morris J: Does declaration of competing interests affect readers' perceptions? A randomised trial. BMJ 2002; 325: 1391–2. MEDLINE
2. Praetorius F: Leitlinien im Spannungsfeld von Handlungsfreiheit, Unabhängigkeit und Regularisierung. Forum DKG 2006; 5/06: 52–7.

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