ArchivDeutsches Ärzteblatt4/2007Versorgung von Osteoporose-Patienten in Deutschland Ergebnisse der BoneEVA-Studie: Zu hohe Prävalenz errechnet
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LNSLNS Häussler und Mitarbeiter präsentieren Ergebnisse, die eine Unterversorgung von Osteoporosepatienten mit Arzneimitteln belegen sollen. Hierzu wurden Routinedaten der GEK und des ZI-Ärztepanels ausgewertet. Aufgrund von Hochrechnungen sollen gültige Aussagen für die gesamte deutsche Bevölkerung über 50 Jahre getroffen werden. Die Aussagen sind jedoch aus mehreren Gründen in ihrer Gültigkeit anzuzweifeln:
1. Im vertragsärztlichen Bereich ist die oft fragwürdige Qualität der Diagnosekodierung bekannt (1). Insbesondere das Auswahlkriterium Arzneimittelverordnung könnte zu einer fälschlich hohen Schätzung der Prävalenz führen, berücksichtigt man unspezifische Verordnungen wie Calcium oder Hormonpräparate. Es fehlen Sensitivitätsanalysen und eine interne Diagnosevalidierung.
2. Es wird nicht erwähnt, wie viele Patienten die Datengrundlage bilden. Lediglich aus der Grafik 3 lässt sich entnehmen, dass 234 beziehungsweise 1 115 Patienten zur Analyse ausgewählt wurden. Das ist für Aussagen von solcher Tragweite eine überaus schmale Datenbasis.
3. Die dargestellte Prävalenzschätzung fällt im Vergleich zu epidemiologischen Erhebungen sehr hoch aus. In der KORA-Studie beispielsweise wurde die Prävalenz der Osteoporose bei Frauen > 65 Jahre mit 17,1 Prozent, bei Männern > 65 mit 1,8 Prozent berechnet (2).
4. Fragwürdig ist die Umrechnung von Daten aus einer Publikation von Brecht und Schädlich, ohne auf deren Validität einzugehen. Die „Anzahl von Krankenhaustagen, die der Osteoporose zugeschrieben wurden“, findet man in Tabelle 1 als „Anteil osteoporosebedingter Frakturen an allen Frakturen“ wieder.
5. Die Eignung des Datenkörpers als Basis für Auswertungen im Sinne des Studienkonzeptes wurde nicht begründet (3) und ist auch anzuzweifeln.
Es folgt, dass in der Publikation eine falsch-hohe Prävalenz errechnet wurde und sich demzufolge eine Arzneimittelunterversorgung von Patienten mit Osteoporose aus den dargestellten Daten nicht ableiten lässt.


PD Dr. med. Matthias Perleth, MPH
AOK-Bundesverband
Dependance Berlin
Charlottenstraße 42
10117 Berlin
E-Mail: Matthias.Perleth@bv.aok.de

Interessenkonflikt
Der Autor erklärt, dass kein Interessenkonflikt im Sinne der Richtlinen des International Committe of Medical Journal Editors besteht.
1.
Gerste B, Gutschmidt S: Datenqualität von Diagnosedaten aus dem ambulanten Bereich – Kritische Anmerkungen am Beispiel Diabetes. Arbeit und Sozialpolitik 2006; 3–4: 29–43.
2.
Meisinger C, Wildner M, Stieber J, Heier M, Sangha O, Döring A. Epidemiologie der Extremitätenfrakturen. Orthopäde 2002; 31: 92–9. MEDLINE
3.
Swart E, Ihle P, Geyer S, Grobe T, Hofmann W: GPS – Gute Praxis Sekundärdatenanalyse. Arbeitsgruppe Erhebung und Nutzung von Sekundärdaten (AGENS) der Deutschen Gesellschaft für Sozialmedizin und Prävention (DGSMP). Gesundheitswesen 2005; 67: 416–21. MEDLINE
1. Gerste B, Gutschmidt S: Datenqualität von Diagnosedaten aus dem ambulanten Bereich – Kritische Anmerkungen am Beispiel Diabetes. Arbeit und Sozialpolitik 2006; 3–4: 29–43.
2. Meisinger C, Wildner M, Stieber J, Heier M, Sangha O, Döring A. Epidemiologie der Extremitätenfrakturen. Orthopäde 2002; 31: 92–9. MEDLINE
3. Swart E, Ihle P, Geyer S, Grobe T, Hofmann W: GPS – Gute Praxis Sekundärdatenanalyse. Arbeitsgruppe Erhebung und Nutzung von Sekundärdaten (AGENS) der Deutschen Gesellschaft für Sozialmedizin und Prävention (DGSMP). Gesundheitswesen 2005; 67: 416–21. MEDLINE

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