ArchivDeutsches Ärzteblatt4/2007Krakau: Die Pracht der Königsstadt

KULTUR

Krakau: Die Pracht der Königsstadt

Dtsch Arztebl 2007; 104(4): A-205 / B-187 / C-183

Goddemeier, Christof

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Das Königsschloss auf dem Wawel-Hügel: eine der kunsthistorisch wichtigsten Stätten in Polen. Foto: Bildagentur Huber
Das Königsschloss auf dem Wawel-Hügel: eine der kunsthistorisch wichtigsten Stätten in Polen.
Foto: Bildagentur Huber
Zum Weltkulturerbe zählt die polnische Stadt, die auch eine jüdische war. Deren tragisches Ende stellte Steven Spielberg im Film „Schindlers Liste“ dar.

Florenz des Nordens“ nannte man die Stadt wegen ihrer 5 500 denkmalgeschützten Bauten und etwa 2,5 Millionen Kunstwerke, „zweites Rom“ wegen der 140 Kirchen in der Stadtmitte. Von der UNESCO zum Weltkulturerbe ernannt, verfügt Krakau über die – nach Prag – zweitälteste Universität Mitteleuropas, die reinsten Renaissance-Bauten im italienischen Stil nördlich der Alpen sowie den größten und schönsten Schnitzaltar der Gotik. Krakau war auch eine jüdische Stadt, deren tragisches Ende Steven Spielberg im Film „Schindlers Liste“ darstellte. Während Städte wie Gdansk und Warschau im Zweiten Weltkrieg nahezu völlig zerstört wurden, blieb die Königsstadt von Beschädigungen verschont.
Blickfang Marienkirche
Mitten in der Altstadt liegt der Rynek (Marktplatz). Die Altstadt soll die größte Dichte an Restaurants, Cafés und Clubs in Europa aufweisen; der polnische Schriftsteller Radek Knapp bezeichnet Krakau gar als „eine einzige Kneipe“. Mit rund 200 Metern Seitenlänge ist der Rynek neben der Piazza San Marco in Venedig der größte mittelalterliche Platz Europas. Die Tuchhallen, ein gotischer Zweckbau in der Mitte, teilen ihn in zwei Teile. Doch der bei weitem größte Blickfang auf dem Marktplatz ist die Marienkirche. Von einem ihrer Türme ertönt stündlich die Trompetenfanfare, die 1287 einen nächtlichen Mongolenüberfall vereitelt hat. Damals durchbohrte ein Pfeil die Kehle des Trompeters. Zur Erinnerung daran bricht die Melodie jedes Mal plötzlich ab. Im Inneren der Kirche stellt der Marienaltar des Nürnberger Bildhauers Veit Stoß alle anderen hier versammelten Kunstwerke in den Schatten. Diesen etwa 14 mal elf Meter großen Schnitzaltar ließen die Krakauer Patrizier sich 3 000 Florin kosten, damals die gesamten jährlichen Ausgaben der Stadtverwaltung. Zu Fanfarenklängen wird das Pentaptychon täglich um zwölf Uhr für sechs Stunden geöffnet.
Die Ulica Florianska war früher die wichtigste Straße in Richtung Warschau, heute ist sie eine quirlige Fußgängerzone. Im Haus Nr. 45 befindet sich ein außergewöhnliches Café, eingerichtet im Stil der Wiener Sezession. Etliche Künstler beglichen hier ihre Rechnungen mit Zeichnungen und Karikaturen, die heute die Wände schmücken. Das Florianska-Stadttor am Ende der Straße ist das einzige erhaltene Tor der mächtigen Wehranlage.
Durch die Ulica Grodska, ein Teilstück des ehemaligen Handelsweges von Italien und Ungarn zur Ostsee, gelangt man zum an der Weichsel gelegenen Wawel-Hügel. Krönungskathedrale und Königsschloss machen ihn zum geschichtlich und kunsthistorisch wichtigsten Ort in Polen. Vom 11. Jahrhundert bis 1609 residierten dort die Landesfürsten, 1734 fand hier die letzte Königskrönung statt. Das ebenfalls von Veit Stoß geschaffene Grabmal Kazimierz IV. in der Krönungskathedrale besteht aus Salzburger Marmor, dessen fleckige Röte die Mimik des sterbenden Königs verstärkt.
„Schindlers Liste“ in Kazimierz
Südlich des Wawel-Hügels liegt Kazimierz, ursprünglich eine eigene Stadt. Ihr Name geht auf König Kazimierz III. zurück, der 1335 ihrer Gründung zustimmte. Nachdem man 1495 den Juden verboten hatte, sich in Krakau niederzulassen, wurde Kazimierz zur intellektuellen Hauptstadt der polnischen Juden. Nur knapp 1 200 der 68 000 jüdischen Einwohner überlebten den Holocaust, in erster Linie diejenigen, die der deutsche Industrielle Oskar Schindler nach Böhmen bringen konnte. Der Film „Schindlers Liste“ wurde zum großen Teil in und um Kazimierz gedreht. Schindlers kleine Emaillefabrik steht noch heute.
Christof Goddemeier
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