ArchivDeutsches Ärzteblatt4/2007Börsebius: Verlockende Lockvögel

GELDANLAGE

Börsebius: Verlockende Lockvögel

Dtsch Arztebl 2007; 104(4): A-210 / B-190 / C-186

Rombach, Reinhold

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS Wer schon immer mal ‘ne Körperfettwaage kaufen wollte, sich aber nicht getraut hat, persönlich im Laden zu erscheinen, hat es jetzt ganz einfach, und das auch noch ohne jeden finanziellen Einsatz. Die Bank X offeriert dieses kühne Gerät, so der Kunde nur ein Konto bei diesem Institut eröffnet. Wer es noch abgefahrener liebt, kann bei der Bank Y für die neue „kundliche“ Zugehörigkeit einen Designerschlitten (Schneegerät, kein Masertti) ergattern, und dem rechtschaffenen Fahrzeuglenker wiederum winkt die Bank Y mit einer unentgeltlichen ADAC-Mitgliedschaft, wiewohl es für dieses Institut durchaus schwer werden dürfte, einen Nicht-ADACler überhaupt zu generieren.
Kaffeemaschine, Tankgutschein, Kofferset, 50 Euro Startguthaben, es gibt nichts, was es nicht gibt, um einen Neukunden in die Bank zu locken, mehr als 2 000 Geldinstitute liefern sich derzeit eine Schlacht um die besten Konditionen und Zugaben. Ist ja auch irgendwie verständlich, wir reden über einen Riesenmarkt von rund 85 Millionen Girokonten. Jeden Tag wird im Fernsehen, in Zeitschriften und Magazinen eine neue Sau durchs Dorf gejagt. Der arme Kerl, der am Dienstag einer Bank seine Zuneigung schenkte, ärgert sich bereits am Mittwoch, hätte er doch andernorts einen Liter Benzin mehr bekommen. Furchtbar.
Ob aber diese verlockenden Lockangebote immer das Gelbe vom Ei sind, mag einer genauen Prüfung des Kleingedruckten harren. Es macht etwa wenig Sinn, sich über offerierte Zinsen von sechs Prozent per annum wie Rumpelstilzchen zu freuen, wenn der anzulegende Betrag beispielsweise nur zur Hälfte in das traumhafte Sparangebot gesteckt werden darf, und der andere halbe Rest in einen Investmentfonds zu stecken ist. Über den Ausgabeaufschlag und die sonstigen Fondsgebühren im Laufe der Zeit subventioniert der Kunde damit quasi seine eigenen Zinsen.
Auch nicht gerade prickelnd sind zeitlich zu enge Vorgaben von Superzinsangeboten und Begrenzungen nach oben. Wem also die Superrendite nur für eine Laufzeit von drei Monaten geboten wird und auch nur bis maximal 10 000 Euro, sollte sich einen Wechsel genau überlegen, da Beträge außerhalb dieser Bedingungen oft nur schäbig verzinst werden. Also, es gibt derzeit durchaus einige attraktive Angebote (z. B. Comdirect, Deutsche Bank). Aber: Wer sich ständig die besten Konditionen sichern will, muss zum Bankhopper werden und keine Scheu vor aufwendigem Papierkram haben.


Börsebius-Telefonberatung

Achtung! Terminänderung. Nicht wie an jedem 1. Samstag des Monats, sondern am Mittwoch, dem 7. Februar 2007 können Sie in der Zeit von 16 bis 20 Uhr Börsebius (Diplom-Ökonom Reinhold Rombach) anrufen. Wenn in Finanzdingen „der Schuh drückt“, wählen Sie bitte 02 21/98 54 80-17.
Die kostenlose telefonische Beratung ist ein Service des Deutschen Ärzteblattes für seine Leser.
Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.