ArchivDeutsches Ärzteblatt10/1997Leber- und Darm­er­krank­ungen: An Zinkmangel wird selten gedacht

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Leber- und Darm­er­krank­ungen: An Zinkmangel wird selten gedacht

Vetter, Christine

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LNSLNS Lebererkrankungen wie die Leberzirrhose und chronische Darm­er­krank­ungen wie der Morbus Crohn gehen oft mit einem Zinkmangel einher, was häufig nicht beachtet wird. Denn der Zinkmangel manifestiert sich vor allem in der leichten Form über unspezifische Symptome wie vermehrte lockere Stühle, eine Stimmungslabilität oder mit Hautveränderungen, die nicht selten der Grunderkrankung zugeschrieben werden. Dabei ließe sich die Symptomatik - bis hin zur hepatischen Enzephalopathie bei der Leberzirrhose - in vielen Fällen nachhaltig bessern, wenn der Mangel durch eine Zinksupplementierung ausgeglichen würde.


Indikationen
Zink gehört zu den essentiellen Spurenelementen und muß folglich bei einem Zinkmangel supplementiert werden. Dieser kann verschiedene Ursachen haben, wie Prof. J. D. Kruse-Jarres (Stuttgart) bei einem Internationalen Workshop der Falk Foundation in Freiburg darlegte. Er kann auf einer zu geringen Zinkzufuhr beruhen, was bei Vegetariern oder generell bei Menschen unter einseitiger Diät der Fall sein kann. Auch Resorptionsstörungen können der Grund für den Zinkmangel sein, etwa bei Darm-erkrankungen oder bei einer Malabsorption. Ferner bewirken verschiedene Erkrankungen eine Entleerung der Zinkspeicher, der Mediziner nannte chronische gastrointestinale Erkrankungen wie die Leberzirrhose oder eine Fettleber. Auch Zinkverluste, wie sie bei Diarrhöen vorkommen, können ebenso wie Situationen mit erhöhtem Zinkbedarf einen Zinkmangel provozieren. "Wird Zinkmangel festgestellt, so sind meistens mehrere Faktoren wirksam", so Dr. Peter J. Aggett aus Norwich.
Als typische Merkmale nannte er symmetrische, um die Körperöffnungen lokalisierte Hautveränderungen, Wachstums- und Gedeihstörungen bei Kindern, Appetitlosigkeit und häufige lockere Stühle. Daneben können nach Dr. Kurt Grüngreiff (Magdeburg) bei Jugendlichen eine verzögerte Pubertät sowie ein Hypogonadismus auf einen Zinkmangel hinweisen. Bei Erwachsenen manifestiert sich der Hypogonadismus zudem über eine erhöhte Infektanfälligkeit und über erhöhte Reizbarkeit. Charakteristisch sind ferner Veränderungen der Haut sowie der Haare, die spröde und trocken werden, oder Haarausfall bis hin zur Alopezie. Eine verzögerte Wundheilung kann ebenso die Folge sein wie veränderte Geschmacks- und Geruchsempfindungen und ein verschlechtertes Sehvermögen während der Nacht.
Als potentielle Indikationen für eine Supplementierung nannte Grüngreiff neben der Acrodermatitis enterohepatica, die immer eine absolute Indikation darstellt, eine parenterale Ernährung, wenn sie länger als einige wenige Tage andauert. Indiziert kann die Zinkgabe auch bei chronischer Lebererkrankung sowie chronischer Darm­er­krank­ung sein, bei der Zöliakie, dem Morbus Wilson, bei einer chronischen Pankreatitis, einer terminalen Niereninsuffizienz und allen Formen der Malabsorption. Außerdem sollte in der Schwangerschaft auf einen potentiellen Zinkmangel geachtet werden, da dieser Wachstumsretardierungen beim Fetus verursachen kann, "ein Aspekt, auf den noch viel zu wenig geachtet wird", monierte Grüngreiff. Weitere Assoziationen werden nach seinen Worten beim Diabetes mellitus gesehen, da Zink auch an der Insulinsekretion sowie der Insulinspeicherung beteiligt ist. Daneben gibt es Hinweise, daß Zinkmangel bei peptischen Ulcera eine Rolle spielen kann, ebenso wie bei der rheumatoiden Arthritis und infolge von Verschiebungen von Spurenelementen auch beim akuten Herzinfarkt sowie bei schweren Infektionen.
Die Zinksupplementierung sollte nach Grüngreiff nur unter ärztlicher Kontrolle erfolgen. Zwar ist das Spurenelement auch bei Überdosierung nicht toxisch, doch sind bei langfristiger Anwendung Veränderungen des Immunstatus möglich, weshalb die Serumzinkspiegel in regelmäßigen Abständen kontrolliert werden sollten. Wegen der großen Schwankungen der Serumspiegel sind aber mehrere Messungen notwendig, am besten jeweils zur gleichen Tageszeit. Das Zink selbst, bei dem sich Zinkhistidin bewährt hat, da es auch bei Leber- und Darm­er­krank­ungen gut resorbiert wird, sollte nach Grüngreiff etwa eine Stunde vor der Mahlzeit eingenommen werden, um Komplexbildungen zu verhindern und eine möglichst gute Resorption zu gewährleisten. Christine Vetter

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