ArchivDeutsches Ärzteblatt5/2007Telematikprojekt: Der elektronische Arztausweis im Praxistest

POLITIK

Telematikprojekt: Der elektronische Arztausweis im Praxistest

Dtsch Arztebl 2007; 104(5): A-230 / B-208 / C-204

Krüger-Brand, Heike E.

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LNSLNS Ärztekammern und Kassenärztliche Vereinigungen in Nordrhein-Westfalen erproben eine erste Anwendung mit dem Arztausweis: den elektronisch signierten Arztbrief.

Foto: Eberhard Hahne
Foto: Eberhard Hahne
Weil im Haushaltssäckel von Nordrhein-Westfalen (NRW) Ende 2006 noch 100 000 Euro übrig waren, die nicht verfallen sollten, entschloss sich das Land kurzerhand, diesen Betrag in ein Pilotprojekt zum elektronischen Heilberufeausweis (HBA) zu stecken: Im Vorfeld der flächendeckenden Einführung der elektronischen Gesundheitskarte (eGK) wollen die ärztlichen Körperschaften in NRW den HBA „in einer für die Ärzte sinnvollen Anwendung erproben“, so Viktor Krön, Ärztekammer Nordrhein, bei einer Informationsveranstaltung zum Projekt in Düsseldorf. Gemeint ist das Signieren elektronischer Arztbriefe mittels HBA. Grundlage ist der Arztbrief nach der vom Verband für Hersteller von IT-Lösungen für das Gesundheitswesen e.V. kürzlich veröffentlichten Spezifikation (HL7 CDA Release 2). Dabei handelt es sich um ein strukturiertes Dokument (im XML-Format) zum Austausch von Daten zwischen EDV-Systemen, das als Brief darstellbar und mit einem herkömmlichen Browser lesbar ist und über eine sichere Kommunikationslösung, wie zum Beispiel das in mehreren Kassenärztlichen Vereinigungen eingesetzte D2D, übertragen werden kann.
Nachfrage steigt
Inzwischen nutzen immer mehr Ärzte das Internet und kommunizieren elektronisch – der Bedarf an Telematik steigt, unabhängig von den gesetzlich vorgesehenen Anwendungen der Gesundheitskarte. Die ärztlichen Körperschaften bewerten diese Entwicklung nicht nur positiv, denn aufgrund der Verzögerungen bei der eGK-Einführung und dem Aufbau der sicheren Netzwerkinfrastruktur werden in vielen Fällen unsichere Lösungen zur Netzanbindung der Praxiscomputer eingesetzt, die den hohen Anforderungen im Umgang mit gespeicherten Patientendaten nicht genügen. Ein Beispiel dafür sind Lösungen mit asymmetrischen Verschlüsselungsverfahren, bei denen der private Schlüssel des Arztes nicht hinreichend geschützt auf dem Praxisrechner hinterlegt ist. Vor diesem Hintergrund ist der HBA auch unter Sicherheitsaspekten ein wichtiges Element der geplanten Tele­ma­tik­infra­struk­tur. Mit der Prozessorchipkarte können sich Ärzte künftig in der elektronischen Welt authentisieren sowie Dokumente rechtsgültig signieren und für den Transport über Datenleitungen verschlüsseln. Darüber hinaus ermöglicht der HBA den direkten Zugriff auf die eGK. Getestet werden soll unter Alltagsbedingungen, inwiefern sich der Arztausweis als praktikables Werkzeug in der ärztlichen Routine nutzen lässt. Entscheidend für die Akzeptanz des Ausweises bei den Ärzten sei, dass er in vorhandene IT-Umgebungen integriert werde, betonte Krön.
Für die Teilnahme an dem Förderprojekt müssen die Ärzte bestimmte Bedingungen erfüllen. Um die Anwendung sinnvoll testen zu können, müssen unter anderem mindestens ein Sender und ein Empfänger vorhanden sein. Daher können sich nur ärztliche Sender-Empfänger-Paare anmelden, wie etwa Hausarzt/Facharzt, Facharzt/Facharzt, Krankenhausarzt/Hausarzt et cetera. Die Ärzte müssen aus verschiedenen medizinischen Einrichtungen kommen und sich dazu verpflichten, im Zeitraum vom 1. April bis Ende Dezember 2007 mindestens 100 elektronisch signierte Arztbriefe mit echten Patientendaten auf Basis einer tatsächlich durchgeführten Behandlung auszutauschen. Dabei müssen beide Partner aktiv werden: „Jeder der Partner eines Sender-Empfänger-Paares muss dem anderen Partner mindestens zehn signierte elektronische Arztbriefe zusenden beziehungsweise mindestens zwanzig mit dem Arztausweis signierte Dokumente versenden“, erläuterte Gilbert Mohr, Kassenärztliche Vereinigung Nordrhein (KVNo). Aus den Landesmitteln werden die Ärzte mit 60 000 Euro gefördert. Als Anreiz für die Teilnahme erhalten sie jeweils 300 Euro sowie die kostenfreie Ausstattung mit jeweils einem HBA und einem Lesegerät.
Enger Zeitplan
Der Zeitplan für das Projekt ist knapp gefasst: Bis zum 12. Februar 2007 müssen interessierte Anbieter von Praxisverwaltungs- und Krankenhausinformationssystemen bei der KVNo ihre Bereitschaft zur Teilnahme melden. Bis März 2007 sollen 50 Ärztepaare aus Praxen und Krankenhäusern je KV gewonnen werden, die bis zum April mit dem technischen Equipment ausgestattet werden. Die Testphase läuft bis Ende des Jahres und wird mittels Fragebögen durch das Zentrum für Versorgungsforschung Köln evaluiert. Koordiniert wird das Projekt vom Zentrum für Telematik im Gesundheitswesen, Krefeld.
Heike E. Krüger-Brand
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