ArchivDeutsches Ärzteblatt5/2007Niedergelassene Onkologen und Hämatologen: Neuer Qualitätsbericht

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Niedergelassene Onkologen und Hämatologen: Neuer Qualitätsbericht

Dtsch Arztebl 2007; 104(5): A-233 / B-210 / C-206

Rieser, Sabine

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LNSLNS Eine Umfrage in Schwerpunktpraxen liefert aktuelle Informationen darüber, wie viele und welche Krebspatienten ambulant behandelt werden.

Mittlerweile werden immer mehr Patienten mit zum Teil fortgeschrittenen Krebserkrankungen von niedergelassenen Fachärzten behandelt. Darauf hat der Berufsverband der Niedergelassenen Hämatologen und Onkologen in Deutschland e.V. (BNHO) Mitte Januar in Berlin bei der Vorstellung des aktuellen Qualitätsberichts hingewiesen.
Angebot auch für Ältere
„Jährlich erkranken in Deutschland rund 430 000 Bürger an Krebs. Während die notwendigen Operationen stationär durchgeführt werden, kann die häufig notwendige medikamentöse Tumortherapie heutzutage in 90 Prozent der Fälle ambulant erfolgen“, erläuterte der BNHO-Vorsitzende Dr. med. Stephan Schmitz. Da moderne Krebstherapien immer verträglicher würden, behandelten die niedergelassenen Fachärzte vielfach sogar Patienten mit fortgeschrittenen Tumorerkrankungen, bei denen zum Beispiel schon Metastasen entstanden sind, ergänzte er. Inzwischen eigne sich die ambulante Behandlung auch für ältere Patienten, die so in ihrem gewohnten Lebensumfeld bleiben könnten.
Nach Angaben des Wissenschaftlichen Instituts der Niedergelassenen Hämatologen und Onkologen (WINHO) hat sich die Zahl der in Arztpraxen behandelten Tumorpatienten seit 1992 etwa verfünffacht und die Anzahl der dort angebotenen Chemotherapien in etwa verzehnfacht. Mittlerweile versorgen bundesweit knapp 500 niedergelassene Ärztinnen und Ärzte pro Jahr rund 500 000 Patienten. Die häufigsten Diagnosen in den onkologischen Schwerpunktpraxen betreffen dem Qualitätsbericht des WINHO zufolge bösartige Systemerkrankungen, insbesondere maligne Lymphome und lymphatische Leukämien. Die größte Gruppe unter den Krebskranken mit soliden Tumoren sind Brustkrebs-Patientinnen.
Schmitz betonte ausdrücklich, dass die Onkologen in der Niederlassung keine Gegnerschaft zu den Kollegen in Krankenhäusern aufbauen wollten. Im Gegenteil seien ambulant-stationäre Kooperationen weit fortgeschritten. Dem Qualitätsbericht zufolge, an dem sich 151 von 184 Schwerpunktpraxen beteiligten, ist die Zusammenarbeit keine Ausnahme: Knapp zwei Drittel der Praxen arbeiten auf der Basis von Abkommen mit Kliniken zusammen, etwa ein Drittel beteiligt sich an Integrationsverträgen. Gleichwohl forderte Gerd Nettekoven, Geschäftsführer der Deutschen Krebshilfe, eine noch engere Interaktion: „Stationäre onkologische Zentren und Einrichtungen müssen sich aus unserer Sicht mit den niedergelassenen Ärzten der Region besser vernetzen als bisher.“
Infos zur Ergebnisqualität
Erstmalig enthält der Qualitätsbericht neben Angaben zu Diagnose- und Therapiebereichen auch Informationen über psychosoziale Betreuungsangebote in den Praxen sowie die Kooperation mit Selbsthilfegruppen. Rund 40 Prozent der befragten Praxen haben bereits ein Qualitätsmanagement-Verfahren etabliert, 30 Prozent sind nach einem anerkannten Zertifizierungssystem bewertet. WINHO-Geschäftsführer Dr. Walter Baumann kündigte gleichwohl an, man wolle in Zukunft noch mehr erfragen: „Wir müssen mit dem Thema Ergebnisqualität weiterkommen.“ Eine entsprechende Arbeitsgruppe hat sich gegründet.
Sabine Rieser
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