ArchivDeutsches Ärzteblatt5/2007Weiterbildung: Das Beispiel USA
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS
Dem Tenor des Artikels von Prof. Siebolds stimme ich voll zu und merke dazu auch an, dass es in den USA sogenannte RCC site visits gibt, die die Residency- und Fellowship-Programme, deren Curricula etc. mit sogenannten Audits überprüfen, allerdings nicht jährlich. Dabei muss eine sogenannte Key Faculty existieren, die nicht nur Publikationen nachweisen kann, sondern auch eine sehr gute Lehre und klinische Kompetenz. In Deutschland wird die Lehre ja eher als lästiges Muss betrachtet ohne vernünftige Honorierung, da ja die „Publikationsmanie“ im Vordergrund steht. Klinische Kompetenz in den USA wird u. a. durch eine objektive, schriftliche Facharztprüfung nachgewiesen (z. B. American Board of Internal Medicine, www.abim. org) und nicht durch ein eher subjektives 45-Minuten-Gespräch. Eine breite klinische Kompetenz wird auch durch die Publikation interessanter Fälle demonstriert, was in der heutigen Zeit der Impactfaktoren sicher nicht einfach ist, da der Impactfaktor einer Zeitschrift und Zitierungen mehr von Reviewartikeln und Trendforschung abhängt und Fachzeitschriften daher „educational“ Fallpublikationen, die zwar wichtig für Lehre und Patientenversorgung sind, eher selten zur Publikation annehmen. Assistenten in der Weiterbildung sind aber gerade durch das Erlernen klinischer Aspekte und der „Columbo“-Problemlösung wie in der Krimiserie zu begeistern. Sicher spielt das schnelle Verklagen von Ärzten in den USA eine Rolle in der besseren Ausbildung, da der sogenannte Attending (Facharzt, Oberarzt, Professor) eine engere Supervision der Assistenten vornimmt und daher Arztbriefe auch genau lesen muss. Wie in Ihrem Artikel dargestellt, ist es für Assistenten unheimlich wichtig, ein gut dokumentiertes und evaluiertes Ausbildungsprogramm zu absolvieren . . . So werden im National Residency Matching Program die US-Programme von den Bewerbern nach Rangliste angegeben, wie die Bewerber von den Programmen, wobei natürlich jede Klinik die besten Bewerber beschäftigen möchte und umgekehrt die Bewerber an die Klinik gehen möchten, an der sie die beste Ausbildung erhalten. Dies wird in den nächsten Jahren eine wichtige Rolle in Deutschland spielen müssen, wenn nicht nur (unterbezahlte) Fachärzte an den Kliniken beschäftigt werden sollen und irgendwann kein Nachwuchs mehr in die klinische Medizin rekrutiert werden kann. Die über Jahre hinweg durchgefochtene neue Weiter­bildungs­ordnung mit sogenannter Common Trunk (Basisweiterbildung) unter Federführung des Präsidenten der Bayerischen Lan­des­ärz­te­kam­mer, Dr. med. H. H. Koch, sollte nun in allen Bundesländern in Kraft treten, und es bleibt zu hoffen, dass die entsprechenden Kliniken die sogenannten Unternehmensentwicklungskosten, also die Kosten der Weiterbildung im Sinne der Personalentwicklung, entsprechend berücksichtigen.
Literatur bei dem Verfasser
Prof. Dr. med. habil. Christian A. Koch, MD, FACP, FACE, Professor of Medicine and Director,
Division of Endocrinology, University of Mississippi, Medical Center, 2500 N State Street,
Jackson, MS 39 216
Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige