ArchivDeutsches Ärzteblatt5/2007Forschung: Paradigmenwechsel nötig
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Herrn Weidenhammer sei herzlicher Dank dafür, sich klar zu einer wissenschaftlichen Betrachtung der Naturheilverfahren zu bekennen. Komplementäre, z. T. sogar alternative Methoden haben traditionell in der Onkologie bei den Patienten einen hohen Stellenwert. Assoziiert werden sie mit dem Gedanken einer sanften Medizin im Gegensatz zu der häufig als technisch und nebenwirkungsreich empfundenen sogenannten Schulmedizin. Es ist zu befürchten, dass sich mit den weiteren Kürzungen finanzieller Mittel Patienten zunehmend in der Situation sehen, Kosten selber zu übernehmen. Es ist zu erwarten, dass die Patienten dann auch vermehrt Angebote anderer Medizinrichtungen einholen, welches wiederum die Gefahr mit sich bringt, dass die Bereitschaft, sich alternativen Heilversprechen zu öffnen und auch mehr als jetzt schon üblich dafür auszugeben, steigt. Sollten sie sich für alternative Methoden in der Onkologie entscheiden, werden unter Umständen lebensnotwendige konventionelle Therapien versäumt. Dagegen bieten komplementäre Verfahren auch Chancen in der modernen onkologischen Behandlung. Komplementäre Verfahren in der Onkologie sind aus unserer Sicht mit den gleichen Methoden zu erfassen und zu erforschen wie die sogenannte Schulmedizin. Dies bedeutet, dass diagnostische Verfahren bezüglich ihrer Aussagekraft analysiert und Therapien Wirksamkeitsprüfungen unterzogen werden können. Dies setzt allerdings einen Paradigmenwechsel in der Komplementärmedizin voraus insofern, als dass eine Überprüfung bisheriger Daten aus der Erfahrungsheilkunde nach den Methoden der evidenzbasierten Medizin erfolgt. Gerade in der Onkologie stellen Schulmedizin und komplementäre Verfahren keine getrennten Systeme dar. Spätestens bei der Anwendung am (im) Patienten sind Wechselwirkungen sowohl positiver wie negativer Art zu vermuten, über die wir wenig wissen . . .
Dr. med. Jutta Hübner, Chefärztin der Onkologischen Abteilung der Habichtswald-Klinik Kassel,
Wigandstraße 1, 34131 Kassel-Wilhelmshöhe
Arbeitskreis „Komplementäre Verfahren in der
Onkologie“
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