ArchivDeutsches Ärzteblatt5/2007Versorgungszentren: Vor einigen Jahrzehnten
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Aus medizinhistorischer Sicht muss der eingangs erwähnte Hinweis auf die Entstehung von Polikliniken korrigiert werden. Es stimmt zwar, dass Christoph Wilhelm Hufeland den Poliklinikgedanken in Jena und später an der Charité in Berlin berücksichtigte, doch die Anfänge lagen bereits einige Jahrzehnte zurück. Der von August Hermann Francke nach Halle gerufene Johann Juncker (geboren 23. 12. 1679, gestorben 25. 10. 1759) wurde 1717 mit der Leitung des „Clinicum auf dem Waisenhause“ beauftragt. Juncker betreute nicht nur die Kranken des Waisenhauses der Franckeschen Stiftungen, sondern wirkte auch als Armenarzt- und Stadtphysikus der Stadt Halle. 1729 wurde er auf ein Ordinariat für praktische Medizin an der Medizinischen Fakultät der Universität Halle berufen. Studenten höherer Semester wurden zum Ambulanzbetrieb des Armenspitals hinzugezogen. Sie durften unter Junckers Aufsicht kleinere Eingriffe vornehmen, schrieben die Krankengeschichten und machten Hausbesuche. 1753 schrieb J. Juncker im „Entwurf einer Instruction eines medici ordinarii“ über die innere Struktur der Poliklinik: „ . . . daß diejenigen, welche zum Waysenhause gehören, ihre kranken Verwandten und Freunde in der Nähe und in der Ferne fast durchgehends aufwecken, geschriebene Relationes von ihren Krankheiten einzusenden, und cosilia medici umsonst zu begehren“. Die Zahl der Hilfesuchenden betrug zu dieser Zeit wenigstens 1 000 pro Monat. Nach halleschem Vorbild gründete Gottfried Wendt (1738–1818) 1779 in Erlangen ein poliklinisches Institut und Ernst Gottfried Baldinger (1738–1804) am 17. 5. 1773 ein „Göttinger klinisches Institut“. Der Gedanke des Helfens und Heilens unter dem Aspekt des rationellsten Einsatzes vorhandener Ressourcen ist keine Erfindung der ehemaligen DDR . . .
MR Dr. med. D. Schwartze, Hohlweg 1,
06193 Wallwitz
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