ArchivDeutsches Ärzteblatt10/1997Mozartwoche 1997: Große Oper eines 14jährigen Knaben

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Mozartwoche 1997: Große Oper eines 14jährigen Knaben

Juds, Bernd

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LNSLNS Der Knabe war gerade 14, als er - mit schmerzenden Fingern "von so viel Recitativ schreiben" - seine erste Opera seria, den "Mitridate", komponierte. Und zwar in zwei Monaten: ein Drei-Stunden-Opus. Mailands Regio Ducal Teatro wollte das Werk eiligst zum Saisonstart 1770/71 haben. Wolfgang Amadeus, der mit Papa Leopold auf seiner ersten Italienreise war, hatte ein Vorbild: Quirino Gasparinis gleichnamige Oper von 1767. In Mailand zweifelte man an der Fähigkeit eines "so jungen deutschen Knaben", eine "italiänische opera" zu schreiben. Doch bei der Premiere im Dezember 1770 wurden der "Maestro" und seine Primadonna mit Da-Capo-Rufen gefeiert. Die antike Story von den Thron- und Liebeshändeln am Hofe zu Ninfea im fernen Pontos schlug ein: Farnace und Sifare, die Söhne des dortigen Königs Mitridate, sind verknallt in die Verlobte ihres Vaters: eine Griechin namens Aspasia, die jedoch (heimlich) nur Sifare, den jüngeren, wirklich liebt. Als der totgesagte König überraschend aus dem Römerkrieg mit einer Braut für Farnace zurückkehrt, beschließt er, sich an seinen Söhnen zu rächen. Doch alle Paarungs-, Mord- und Selbstmordversuche münden schließlich in einem Seria-Kompromiß: als die römischen Feinde anrücken, entleibt sich der König, die "richtigen" Paare finden sich. Abrupter Schluß mit einem Haßgesang gegen das "Campidoglio" - das Kapitol, also gegen Rom.
Roger Norrington, am Pult, wollte ganz den "18th Century Style" realisieren. Und Jonathan Miller inszenierte streng klassisch-statisch. Norrington und die Camerata Academica Salzburg servierten, am Vorabend von Mozarts Geburtstag, einen orginalen Festschmaus. Man demonstrierte, subtil interpretierend, daß in dem selten gespielten "Jugendstück" bereits viel vom "reifen" Mozart steckt: etwa die eindrucksvolle erste Arie "Se di lauri . . ." des Mitridate (Bruce Ford), das ausgereifte Duett Sifare/Aspasia (Christiane Oelze/Cyndia Sieden) oder die tückischen Koloraturen schon in der ersten "Aria" der unglücklichen Aspasia. Bernd Juds
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