ArchivDeutsches Ärzteblatt5/2007Systemmykosen: Caspofungin auch empirisch einsetzbar

PHARMA

Systemmykosen: Caspofungin auch empirisch einsetzbar

Dtsch Arztebl 2007; 104(5): A-286

Blaeser-Kiel, Gabriele

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LNSLNS Für abwehrgeschwächte Patienten stellen invasive Pilzinfektionen eine Bedrohung dar. Während die bakteriell- und viralbedingte Letalität rückläufig ist, steigen die mykosebedingten Todesfälle kontinuierlich. Besonders gefährdet sind Leukämiekranke nach hoch dosierter Chemotherapie und/oder Stammzelltransplantation.
Erregernachweis ist zeitaufwendig
Verschärft wird das Problem nach Aussage von Dr. Axel Glasmacher (Bonn) durch die unspezifische klinische Symptomatik und den sehr zeitaufwendigen Erregernachweis. Selbst wenn man in einigen Fällen eine unverhältnismäßige beziehungsweise unnötige Therapie riskiere, bleibe bei neutropenischen Patienten mit antibiotikaresistentem Fieber mehrere Tage lang kaum eine andere Wahl als der Einsatz eines Antimykotikums.
Für eine solche empirische Therapie hält er aber nur Substanzen mit geringem Resistenzrisiko und hoher Organverträglichkeit für geeignet. Erste Wahl ist für ihn der Wirkstoff Caspofungin. Als Cancidas® ist er (zumindest in Europa) der Vertreter der neuen Substanzklasse der Echinocandine.
Sein fungizider Effekt beruht auf der Hemmung der Beta-(1,3-)Glucan-Synthese. Da dieses Enzymsystem nur in der Membran von Pilz-, nicht aber von Säugetierzellen vorkommt, ist eine gute Organverträglichkeit zu erwarten. Weitere Vorteile von Caspofungin sind nach Aussage von Dr. Mary Motyl (Rahway/USA) das breite Wirkspektrum, das auch so seltene Schimmelpilze wie Scedosporium, Fusarium oder Zygomycetes abdeckt. Außerdem seien noch keine Resistenzen gegen Aspergillus- oder Candidaspezies beobachtet worden.
Sein günstiges Nutzen-Risiko-Profil unter Beweis gestellt hat Caspofungin in der bisher größten prospektiven Studie, die jemals zur empirischen antimykotischen Therapie bei Patienten mit febriler Neutropenie (n = 1 095) durchgeführt wurde (Walsh TJ et al.; N Engl J Med 2004; 351: 1391–1402). In der Mehrzahl der Fälle beruhte die Abwehrschwäche auf einer malignen hämatologischen Erkrankung mit/ohne Stammzelltransplantation.
Im doppelblinden Vergleich erwies sich Caspofungin beim primären (kombinierten) Endpunkt als ebenso wirksam wie liposomales Amphotericin B. Statistisch signifikant überlegen war Caspofungin jedoch bei Verträglichkeitsparametern wie Inzidenz infusionsassoziierter Komplikationen (35,1 versus 51,6 Prozent – p < 0,001), Fällen von Nephrotoxizität (2,6 versus 11,5 Prozent – p < 0,001) und nebenwirkungsbedingten Therapieabbrüchen (fünf versus acht Prozent – p = 0,04) – und zwar unabhängig davon, ob es sich um Candidosen oder Aspergillosen gehandelt hatte.
Gabriele Blaeser-Kiel

Satellitensymposium „Evidence and Experience in the Treatment of High Risk Patients with Fungal Infections“ beim 32nd Annual Meeting of the European Group for Blood and Marrow Transplantation in Hamburg, Veranstalter: MSD Sharp & Dohme
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