ArchivDeutsches Ärzteblatt5/2007Berufswahl: „Die Jugendlichen verstummen einfach“

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Berufswahl: „Die Jugendlichen verstummen einfach“

Dtsch Arztebl 2007; 104(5): A-287 / B-255

Bühring, Petra

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LNSLNS Die Einstieg GmbH in Köln bietet Workshops für Eltern, die ihren Kindern strategisch bei der Berufswahl helfen wollen.

Eltern spielen eine große Rolle dabei, Kindern bei der Entscheidung darüber, welchen Beruf oder welches Studium sie anstreben sollten, zu helfen. Oftmals sind diese damit aber auch überfordert oder wünschen sich einfach professionelle Hilfe, damit der Einstieg in den Beruf nicht zu holprig wird.
Aus diesem Grund bietet die Einstieg GmbH bundesweit Workshops speziell für Eltern mit dem Thema „Strategische Berufszielfindung“ an. Das Unternehmen hat den Weg in den Markt als Ausrichter von Messen für Abiturienten gefunden: „Einstieg Abi“ bietet Oberstufenschülern die Möglichkeit, sich bei potenziellen Arbeitgebern und Hochschulvertretern über Ausbildungs- und Studienangebote zu informieren.
„Gerade in puncto Berufswahl ist das Verhältnis zwischen den Jugendlichen und ihren Eltern selten spannungsfrei“, berichtet der Leiter der Eltern-Workshops, Jörg Ungerer. Der 41-Jährige versucht, den Eltern erst einmal zu verdeutlichen, welche Rolle sie in dem Berufsfindungsprozess ihres Kindes haben und wie wichtig diese ist. Beleuchtet werden in den Workshops mit meist vier bis maximal acht Teilnehmern Fragen wie: Wie erkennt man die wesentlichen Neigungen und Kompetenzen des Jugendlichen? Welche tragfähigen Motivationen verbergen sich hinter vermeintlich unrealistischen Wünschen oder wie lassen sich Wünsche zur Berufswahl überhaupt erst entdecken? Ungerer hat erfahren, dass das Hauptproblem der meisten Eltern, die ihn aufsuchen, die Sprach- und Entscheidungslosigkeit ihrer Kinder ist, weniger die Konflikte aufgrund unterschiedlicher Vorstellungen: „Die Jugendlichen erscheinen fast paralysiert in einer Umwelt, die ihnen permanent erzählt, wie wichtig Planung ist und dass man zielbewusst handeln soll.“ Auch aufgrund der sich ständig verändernden Ausbildungs- und Studienlandschaft, dem fehlenden Rückgriff auf berufliche Familientraditionen seien die Jugendlichen so stark verunsichert „dass sie einfach verstummen“, vermutet Ungerer.
www.einstieg.com Das privatwirtschaftliche Unternehmen bietet Berufsfindungsworkshops für Eltern und Schüler an.
www.einstieg.com Das privatwirtschaftliche Unternehmen bietet Berufsfindungsworkshops für Eltern und Schüler an.
Am Ende des dreistündigen Workshops könne meist jeder Teilnehmer zwei oder drei berufliche Richtungen ausmachen, die er zu Hause mit dem Sohn oder der Tochter auch mithilfe von Materialen noch einmal genauer anschaut. „Es geht nicht darum, mit der konkreten Vorstellung nach Hause zu gehen, dass der Sohn beispielsweise Betriebswirtschaft an der Fachhochschule studieren sollte“, sagt Ungerer. Doch spricht er mit den Eltern auch über Lernformen: darüber, ob der Sprössling eher für ein selbstständiges Studium an der Universität geeignet zu sein scheint oder die Fachhochschule mit strukturierten Lehrplänen die bessere Option wäre oder auch die klassische duale Berufsausbildung infrage käme.
Die meisten Workshop-Besucher sind Eltern von Schülern, die die gymnasiale Oberschufe besuchen. Gelegentlich kommen auch Eltern von Jugendlichen, die bereits einen beruflichen Weg eingeschlagen haben, „der aber nicht trägt“, wie Ungerer sagt. Anfragen hat er gelegentlich auch von Eltern Zwölf- bis 14-jähriger. „Das Engagement in allen Ehren, aber das ist eindeutig zu früh.“ Auffallend findet Ungerer, dass ihn häufig Mütter aufsuchen, „die selbst im Leben eine ganze Menge vorhatten, aber dann in der Hausfrauen-und Mutterrolle geblieben sind“. In diesen Fällen muss man aufpassen, die unerfüllten Wünsche nicht auf das Kind zu projizieren.
Petra Bühring

Informationen: Einstieg GmbH, Im Media Park 6 d, 50670 Köln, Telefon: 02 21/ 3 98 09 65, E-Mail: workshop@einstieg.com,Internet: www.einstieg.com
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