ArchivDeutsches Ärzteblatt5/2007Börsebius: Negativer Quantensprung

GELDANLAGE

Börsebius: Negativer Quantensprung

Dtsch Arztebl 2007; 104(5): A-293 / B-261 / C-249

Rombach, Reinhold

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LNSLNS Wenn Politiker Bedeutendes absondern, nehmen sie oft und gerne das Wort „Quantensprung“ in den Mund, um das Erreichte, natürlich verbunden mit ihrer Person oder Partei, gebührend hoch zu hängen. In Haupt­ver­samm­lungen und Analystenkonferenzen höre ich den Begriff neuerdings auch des Öfteren, und der Vorstandsvorsitzende macht dann dabei ein Gesicht, als habe er grade eben die Welt neu erschaffen.
Was als Besonderes daherkommen soll, entpuppt sich später als Hauch von nichts, das gilt ja oft genug in der Politik (Gesundheitsreform) wie auch bei Unternehmen (Fusion Daimler mit Chrysler). Bei genauer Betrachtung ist ein Quantensprung nämlich gar nichts Besonderes, zumindest nicht in der Physik. Im Bohrschen Atommodell gehört der Quantensprung für Milliarden von Atomen quasi zum Alltag.
Einen ähnlichen „Quantensprung“ hat jetzt die Softwareschmiede SAP angekündigt. Der in Walldorf ansässige Weltkonzern hat den Mittelstand entdeckt, vermutlich hat sich dieser bislang gut versteckt. Konzernchef Henning Kagermann will mit „Software von der Stange“, zugeschnitten auf die Belange des Mittelstands, und vor allem billig, neue SAP-Kunden finden.
Erstaunlich finde ich den Schwenk schon, da SAP sein gutes Geld bislang eher mit Großkunden machte. Sind also nunmehr die goldenen Zeiten vorbei, findet hier quasi ein doppelter „Quantensprung“ statt, ein verbaler positiver in Richtung Mittelstand und ein faktischer, gleichwohl negativer, in Richtung Großkundengeschäft?
Da bin ich aber mal gespannt, wie die Börsencommunity reagiert, zählte doch SAP in der Vergangenheit immer zu den Highflyern in vielen Depots. Der Kurs jedenfalls reagierte fürs Erste mit verschreckten Absackern, startet dann aber eine trotzige Erholungsattacke. Verstehen kann und will ich diesen erratischen Verlauf eigentlich nicht, meiner Meinung nach liegt der SAP-Kurs ohnehin 30 Prozent zu hoch.
Wie irrational die Finanzmärkte laufen können, zeigte dieser Tage die Aktie von Siemens. Als die EU-Kartellwächter gegen den Münchener Konzern wegen verbotener Preisabsprachen mit 419 Millionen Euro eine ziemlich saftige Buße verhängten, und das auch noch aus heiterem Himmel, stieg der Kurs am nächsten Tag „zur Strafe“ um sechs Prozent. Verbirgt sich dahinter am Ende ein heimlicher Quantensprung? Fazit: An der Börse ist alles möglich. Auch das Gegenteil.

Börsebius-Telefonberatung „rund ums Geld“
Achtung! Terminänderung. Nicht wie an jedem 1. Samstag des Monats, sondern am Mittwoch, dem 7. Februar 2007, können Sie in der Zeit von 16 bis 20 Uhr Börsebius (Diplom-Ökonom Reinhold Rombach) anrufen (02 21/98 54 80-17).
Die kostenlose telefonische Beratung ist ein Service des Deutschen Ärzteblattes für seine Leser.
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