ArchivDeutsches Ärzteblatt6/2007Insulinanaloga: Kritik an Rabatten

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Insulinanaloga: Kritik an Rabatten

Dtsch Arztebl 2007; 104(6): A-300 / B-268 / C-256

Rieser, Sabine

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Axel Munte: Kritik an Rabattverträgen über die Verordnung von Insulinanaloga. Foto: Bernhard Eifrig
Axel Munte: Kritik an Rabattverträgen über die Verordnung von Insulinanaloga. Foto: Bernhard Eifrig
„Es ist eine Desavouierung des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen und des Gemeinsamen Bundes­aus­schusses (G-BA) sondergleichen, dass eine vernünftige und begründete Entscheidung nicht zu den entsprechenden Konsequenzen im Markt geführt hat.“ Mit diesen Worten hat Prof. Dr. Gerd Glaeske Ende Januar in Berlin kritisiert, dass zahlreiche Krankenkassen mit Pharmaunternehmen Rabattverträge zur Verordnung kurzwirksamer Insulinanaloga abgeschlossen haben.
Davon profitierten nur die Hersteller, urteilte Glaeske. Denn der offizielle Preis für die Präparate bleibe unangetastet und diene weiter als Referenzpreis für das Ausland. Den verordnenden Ärztinnen und Ärzten seien die intransparenten Verträge jedoch nicht zumutbar. Die Rabattverträge führten zu Unsicherheiten in der Verordnung und zu einem immensen Verwaltungsaufwand für die Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen), kritisierte auch Dr. med. Axel Munte, Vorstandsvorsitzender der KV Bayerns. Hintergrund: Solange Insulinanaloga teurer sind als Humaninsulin, darf ein Vertragsarzt sie zulasten der gesetzlichen Kran­ken­ver­siche­rung außer in begründeten Fällen nicht verordnen. Doch auch Rabattverträge sind keine Garantie dafür, dass die Verordnung ohne Weiteres möglich ist.
Offensichtlich seien in einigen Verträgen lediglich Rabattzahlungen für eine bestimmte Anzahl von Packungen vereinbart worden, warnt die KV Bayerns auf ihrer Homepage. Im Klartext: Wird darüber hinaus verordnet, sind die Insulinanaloga wieder teurer und belasten das Budget der Ärzte.
Zudem werden die Arzneimittelbudgets der Vertragsärzte nach Darstellung Muntes zunächst grundsätzlich mit dem hohen Apothekenverkaufspreis für Insulinanaloga belastet, selbst wenn ein Rabattvertrag vorliegt. Folglich kann der Arzt dadurch in eine Wirtschaftlichkeitsprüfung geraten, deren Aufgreifkriterium die Bruttoverordnungskosten sind. In Bayern haben nach Auskunft von Munte bislang nur einzelne Kassen wie die AOK Bayern erklärt, im Fall von Insulinanaloga-Verordnungen auf Basis von Rabattverträgen auf eine Einzelfallprüfung zu verzichten und bei einer Regressfestsetzung im Fall einer Richtgrößenprüfung nur auf die tatsächlich angefallenen Kosten zurückzugreifen. Rie
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