ArchivDeutsches Ärzteblatt6/2007RANDNOTIZ: Siegerlaunen

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RANDNOTIZ: Siegerlaunen

Dtsch Arztebl 2007; 104(6): A-301 / B-269 / C-257

Stüwe, Heinz

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LNSLNS Ein Händedruck und ein freundliches „Guten Morgen" für die Bundestagsbedienstete am Eingang zum Plenarsaal. Es ist 8.57 Uhr. Ulla Schmidt trägt scbon ihr „Ich habe es ja immer gesagt"-Lächeln. Sie will ihren Sieg beim letzten Schlagabtausch zur Gesundheitsreform zelebrieren. Zwei Schritte hinter ihr der getreue Knappe, Franz Knieps, Abteilungsleiter im Ge­sund­heits­mi­nis­terium und Chefideologe, ebenfalls siegesgewiss, wenngleich ohne Lächeln. Die Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­terin eröffnet die Debatte zunächst verhalten, liest ab, müht sich vor dem nur gut zur Hälfte gefüllten Hohen Haus, Fortschritte herauszustreichen. Die Bundeskanzlerin hört zu. Sollte sie Triumphgefühle hegen, lässt sie es sich nicht anmerken. Und die Nicht-Sieger? Die Abweichler in der SPD sind von der Fraktionsregie nicht als Redner vorgesehen. Wolfgang Wodarg sitzt in Reihe zwei und liest. Konzentriertes Desinteresse demonstriert auch Karl Lauterbach, drei Reihen hinter ihm. Der spärliche Beifall für die Ministerin nach 20 Minuten Redezeit zeigt, was die Koalition von ihrem eigenen Gesetz hält. Ex-Ge­sund­heits­mi­nis­ter Horst Seehofer, heute im Agrarressort, vermeidet es erfolgreich, Schmidt zu applaudieren: durch Abwesenheit. Später wird es fast peinlich. Für Annette Widmann-Mauz (CDU) rührt sich beim Koalitionspartner fast keine Hand zum Beifall. Elke Ferner, Fraktionsvize der SPD, bekommt von ihren Genossen weniger als einen Anstandsapplaus. Viele Koalitionsabgeordnete stimmen am Ende nur zähneknirschend zu. Und nehmen es Ulla Schmidt übel, dass sie, frei von Selbstzweifeln, zum Siegessekt nach der Abstimmung eingeladen hat. Die Ministerin gibt so der Kanzlerin Gelegenheit, sie zu loben, und die Fotoagenturen senden ihr Lachen ins ganze Land.
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