ArchivDeutsches Ärzteblatt6/2007Arzneimittelausgaben: Das Spargesetz wirkt

POLITIK

Arzneimittelausgaben: Das Spargesetz wirkt

Dtsch Arztebl 2007; 104(6): A-308 / B-275 / C-263

Rabbata, Samir

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LNSLNS Die Ausgaben der Kassen für Medikamente stiegen 2006 um lediglich 1,3 Prozent. Hauptgrund dafür ist das Arzneimittelsparpaket der Bundesregierung. Im Januar ist mit der Bonus-Malus-Regelung eine weitere Stufe des Gesetzes in Kraft getreten.

Dass Politiker die zu erwartenden Einspareffekte von Kostendämpfungsgesetzen eher zu hoch ansetzen, ist nicht neu. Auch beim sogenannten Arzneimittelversorgungs-Wirtschaftlichkeitsgesetz (AVWG) war das Ziel ehrgeizig: Für das erste Jahr erhoffte sich Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­terin Ulla Schmidt (SPD) Einsparungen von rund einer Milliarde Euro. Doch anders als sonst wurden ihre Prognosen diesmal sogar noch übertroffen.
Für 2006 beläuft sich das aus dem AVWG resultierende Sparvolumen für die gesetzliche Kran­ken­ver­siche­rung (GKV) auf mehr als 1,1 Milliarde Euro. Dies geht aus den Jahreszahlen der Bundesarbeitsgemeinschaft Deutscher Apothekerverbände (ABDA) hervor. Demnach hat die GKV im Vorjahr 23,7 Milliarden Euro für Medikamente ausgegeben. Dies waren gerade einmal 1,3 Prozent mehr als 2005. Zum Vergleich: 2005 stiegen die Arzneimittelausgaben noch um knapp 16 Prozent.
Neue, überwiegend abgesenkte Festbeträge
„Das AVWG zeigt sich als Spargesetz sehr wirksam“, sagte ABDA-Hauptgeschäftsführer Dr. Hans-Jürgen Seitz bei der Vorstellung der Zahlen in Berlin. Ein Blick auf die Ausgabenentwicklung innerhalb des Jahres 2006 bestätigt dies: Im ersten Quartal, also noch vor dem Inkrafttreten der ersten Stufe des Sparpakets, zahlten die Kassen noch rund 560 Millionen Euro mehr für Medikamente als im Vergleichszeitraum 2005 (siehe Grafik). Vom zweiten Quartal an sanken die Mehrausgaben deutlich. Im dritten und vierten Quartal lagen die Arzneimittelausgaben der Kassen sogar unter den Werten von 2005.
Für Minderausgaben der Kassen von 342 Millionen Euro sorgte der seit April 2006 geltende Abschlag von zehn Prozent auf den Herstellerpreis für Generika. Seit letzten Juli sind zudem neue, überwiegend abgesenkte Festbeträge in Kraft. Auch müssen Patienten für bestimmte Medikamente, deren Preise 30 Prozent unter dem Festbetrag liegen, keine Zuzahlungen leisten. Nach Angaben des Branchenverbandes „Pro Generika“ sind allein zwischen März und Juli 2006 die Preise für Generika im Schnitt um 20 Prozent gefallen. Insgesamt beziffert die ABDA die Einsparungen für die GKV durch die geringeren Preise auf 569 Millionen Euro. Der Rückgang der Packungszahlen bescherte den Kassen weitere Entlastungen von 209 Millionen Euro.
Demgegenüber steht jedoch die sogenannte Strukturkomponente, die durch besonders teure Spezialpräparate bestimmt wird, für die es jedoch keine oder nur unzureichende Alternativmedikamente gibt. Die ABDA weist diesen Struktureffekt mit einem Plus von 864 Millionen Euro aus. Diese Summe muss den Einsparungen durch das Spargesetz gegengerechnet werden.
Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) wertet die Zahlen dennoch positiv: Die Ausgabenbilanz belege eindrucksvoll, dass die Ärztinnen und Ärzte weder zu teuer noch zu viel verordnen würden. Dieser häufig geäußerte Generalverdacht lasse sich nun nicht mehr aufrechterhalten. Für die Vertragsärzte ändere dies jedoch nichts daran, dass sie auch weiterhin den Spagat zwischen ökonomischem Druck und medizinischen Notwendigkeiten bei der Arzneimittelverordnung leisten müssten, heißt es bei der KBV.
Seit 1. Januar: Bonus-Malus-Regelung
Dennoch lautet auch in diesem Jahr die Devise: Sparen, bis es quietscht. Dies gilt für Ärzte umso mehr, weil zum 1. Januar die Bonus-Malus-Regelung als weitere Stufe des AVWG in Kraft getreten ist. Nach Angaben der KBV haben sechs Kassenärztliche Vereinigungen (KVen) die Bundesempfehlung umgesetzt. Neun KVen setzen auf regionale Ersatzvereinbarungen, in zwei KVen steuert man auf das Schiedsamt zu.
In jedem Fall dürften die Regelungen die Ausgabenentwicklung für Arzneimittel weiter drücken. Ob sich der positive Trend für die Krankenkassen auch 2007 fortsetzen wird, könne man jedoch erst im Mai dieses Jahres verlässlich prognostizieren, sagte Dr. Frank Diener, Geschäftsführer Wirtschaft und Soziales bei der ABDA. Fest stehe schon jetzt, dass Medikamente wegen der erhöhten Mehrwertsteuer teurer werden. Ob die im geplanten GKV-Wettbewerbsstärkungsgesetz angelegten Kostendämpfungsmaßnahmen – wie die Erhöhung des Apothekenrabatts an die Krankenkassen – dies auffangen werden, sei noch unklar.
Samir Rabbata
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