ArchivDeutsches Ärzteblatt6/2007Transfusionsmedizin: Nur drei Prozent der Deutschen spenden Blut

MEDIZINREPORT

Transfusionsmedizin: Nur drei Prozent der Deutschen spenden Blut

Dtsch Arztebl 2007; 104(6): A-322 / B-283 / C-271

Fath, Roland

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS
Foto:Amgen
Foto:Amgen
Transfusionsmediziner mahnen, dass es immer wieder zu Engpässen in der Versorgung mit Blutkonserven kommt.

Blut und Blutpräparate hätten für die meisten Bürger einen „negativen Beigeschmack“, weil sie mit Infektionen in Verbindung gebracht würden, sagte Prof. Dr. med. Erhard Seifried (Frankfurt/Main) bei der 39. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Transfusionsmedizin und Immunhämatologie e.V. (DGTI) in Frankfurt/Main. In Bezug auf die moderne Transfusionsmedizin sei dies eine gravierende Fehleinschätzung, die ein Grund für die geringe Bereitschaft der Deutschen zur Blutspende sein könnte.
Der Anteil der Blutspender beträgt nur rund drei Prozent. Das reicht zur Deckung des Bedarfs kaum aus. Ziel ist es, den Anteil der Spendewilligen zu verdoppeln, denn der Blutbedarf in der Transfusionsmedizin wird weiter steigen. So wurde das Höchstalter für Blutspender kürzlich bereits von 65 auf 68 Jahre angehoben. Dennoch kommt es immer wieder zu Engpässen.
„Viele Bürger realisieren nicht, wie wichtig Blut für die moderne Hochleistungsmedizin ist“, sagte Seifried, Ärztlicher Direktor des DRK-Blutspendedienstes Baden-Württemberg-Hessen. Nach seiner Einschätzung wären ohne Blutpräparate mindestens 30 Prozent aller Behandlungen nicht durchführbar. Unverzichtbar sind Blutpräparate für onkologische Patienten, bei Organ-, Stammzell- und Knochenmarktransplantationen, in der Intensivmedizin und bei der Versorgung von Polytrauma-Patienten.
Das Risiko, sich bei einer Bluttransfusion mit einem gefährlichen Erreger zu infizieren, ist in Deutschland sehr gering. „Die Sicherheit von Blutpräparaten ist 2006 so hoch wie noch nie“, betonte Seifried. Mit der Polymerase-Ketten-Reaktion (PCR), mit der in Deutschland alle Blutspenden geprüft werden müssen, würden Erbgutspuren bekannter Viren zuverlässig nachgewiesen. Die „Fensterphase“, in der der Nachweis einer Virusinfektion noch möglich ist, betrüge bei HIV- oder Hepatitis-C-Infektion nur noch wenige Tage.
Die Wahrscheinlichkeit, sich durch eine Bluttransfusion mit HIV zu infizieren, liegt in Deutschland unter eins zu vier Millionen. Ähnlich unwahrscheinlich ist die Übertragung von Hepatitis. Die Wahrscheinlichkeit einer Hepatitis-B-Infektion durch eine Blutkonserve beträgt etwa eins zu 260 000, die einer Hepatitis-C-Infektion ist kleiner als eins zu vier Millionen.
Besonders deutlich wird das geringe Infektionsrisiko durch eine Untersuchung des DRK, die bereits 1997 begann und bei der bis heute 30 Millionen Blutspenden ausgewertet wurden: Nur ein Empfänger wurde in dieser Studie mit HIV infiziert, keiner mit Hepatitis-Viren. „Das Infektionsrisiko ist bei klassischen Erregern fast zu vernachlässigen“, sagte Seifried. Ein Restrisiko gebe es bei Bluttransfusionen für eine Infektion mit neuen oder seltenen Viren wie dem SARS-like-Virus oder dem Westnil-Virus.
Roland Fath


Ein- und Ausschlusskriterien

- Grundsätzlich kann jeder gesunde Mensch zwischen 18 und 68 Jahren mit einem Mindestkörpergewicht von 50 Kilogramm Blut spenden:
Frauen viermal und Männer sogar sechsmal innerhalb von zwölf Monaten. Für Erstspender liegt die Altersgrenze bei 60 Jahren. Zwischen zwei Blutspenden muss ein Abstand von mindestens acht Wochen liegen. Über die Zulassung zur Blutspende entscheidet der bei dem Blutspendetermin anwesende Arzt.
- Spendewillige müssen gesund sein. Regelmäßige beziehungsweise gelegentliche Medikamenteneinnahme kann zu einer Nichtzulassung zur Blutspende führen. Bei einigen chronischen Erkrankungen kann trotz Medikamenteneinnahme Blut gespendet werden (gut eingestellter Hypertonus, Therapie mit oralen Antidiabetika). In jedem Einzelfall wird die Spendefähigkeit durch den Arzt abgeklärt.
- Reisen in außereuropäische Länder oder die Geburt/das Aufwachsen in solchen Ländern können zu einem generellen Ausschluss/einem zeitlich befristeten Ausschluss von der Blutspende führen.
- Nach Schutzimpfungen sind unterschiedliche Zeitabstände bis zur nächsten Blutspende einzuhalten, die von der Art der Impfung oder des verwendeten Impfstoffes abhängen. Es ist außerdem zu berücksichtigen, ob es zu Impfreaktionen gekommen ist.
- Die Anbringung von neuem Körperschmuck, zum Beispiel Tätowierungen, Piercings, Brandings et cetera führt zu einem zeitlich befristeten Ausschluss von der Blutspende.

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema