ArchivDeutsches Ärzteblatt6/2007Gesundheitskarte: Hoher Zeitaufwand
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In Ihrem Bericht über die eGK wurde bedauerlicherweise das e-Rezept nicht explizit erwähnt, das nach meiner Einschätzung zu einer massiven Beeinträchtigung des Praxisablaufs führen wird. Wenn EDV-technisch alles reibungslos verläuft, muss nach seriösen Schätzungen bei einem durchschnittlichen Patienten mit regelmäßiger Einnahme verschiedener Medikamente, also dem Durchschnittspatienten jeder hausärztlichen bzw. internistischen Praxis, mit einem Zeitaufwand von ein bis zwei Minuten je Rezept gerechnet werden (bisher liegt dieser Aufwand bei ca. zwei Sekunden pro Rezept). Der hohe Zeitaufwand rührt neben dem EDV-technischen Aufwand (Karten stecken, via Konnektor und Geheimcodes einwählen und durchkommen) vor allem daher, dass nicht nur die Vormedikation überprüft und Wechselwirkungen zwischen den verordneten Medikamenten sicher ausgeschlossen werden müssen, sondern auch auf eventuelle Mehrfachrezeptierung desselben Medikaments geachtet werden muss. Die von offizieller Seite vorgegebenen Vorteile der elektronischen Gesundheitskarte sind vor allem eine „qualitative Verbesserung der Arzneimitteltherapie“ sowie ein „enormes Einsparpotenzial durch Vermeiden von Doppelverschreibungen“. Unter dem Aspekt, dass ein Patient die elektronische Speicherung der für ihn rezeptierten Medikamente verweigern kann, erscheint das ganze Konzept fragwürdig. Neben dem erheblichen Zeitaufwand für das Freigeben des e-Rezepts müssen auch die möglichen forensischen und haftungsrechtlichen Konsequenzen bedacht werden. Was passiert, wenn es zu relevanten Medikamentenwechselwirkungen gekommen ist, die bei sorgfältiger Analyse der umfangreichen Vormedikation eines einzelnen Patienten hätten vermieden werden können? Was passiert, wenn kostspielige Medikamente in kurzem zeitlichem Zusammenhang von verschiedenen Praxen verordnet wurden, was von der zweitverschreibenden Praxis übersehen wurde, jedoch bei gewissenhaftem Studium der Vormedikation hätte erkannt werden müssen ? – Wenn eine elektronische Erfassung der Medikation eines Patienten von den Kassen eingefordert wird, so erscheint am ehesten eine Eingabe und gegebenenfalls Überprüfung über die abgebende Apotheke als gangbarer Weg . . .
Dr. med. Carl-Joachim Mellinghoff,
Ludwig-Kick-Straße 3, 88131 Lindau
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