ArchivDeutsches Ärzteblatt6/2007Statintherapie bei koronarer Herzkrankheit: Titrationstheorie obsolet

MEDIZIN: Diskussion

Statintherapie bei koronarer Herzkrankheit: Titrationstheorie obsolet

Dtsch Arztebl 2007; 104(6): A-354 / B-313 / C-300

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LNSLNS Aus der jüngst publizierten MEGA-Studie (1) geht hervor, dass auch bei geringer Lipidsenkung eine erhebliche Verringerung kardialer Ereignisse erreicht werden kann, andererseits konnte auch trotz starker Lipidsenkung zum Teil keine Senkung von kardiovaskulärer Mortalität beziehungsweise Morbidität gefunden werden (2).
Damit wird die – ohnehin nie bewiesene oder gar erprobte (3) – Titrationstheorie obsolet.
Entscheidend für die Beurteilung des Statin-Effektes ist das absolute kardiovaskuläre Risiko. Eine Überbewertung der Lipidwerte führt einerseits potenziell zu einer Übertherapie bei niedrigem Gesamtrisiko, andererseits zu einer Unterversorgung bei hohem Gesamtrisiko (zum Beispiel Diabetiker mit niedrigen LDL-Werten).
Nach den neueren wissenschaftlichen und politischen Entwicklungen sind die Empfehlungen für niedergelassene Ärzte in Deutschland recht einfach:
- Simvastatin 40 mg (0-0-1) bei erhöhtem kardiovaskulärem Risiko
- bei Unverträglichkeit ist Pravastatin 40 mg die zweite Wahl
- bei sehr hohem Risiko (zum Beispiel nach akutem Koronarsyndrom) kann eine Hochdosistherapie mit Statinen zwar gegenüber einer Standardtherapie möglicherweise kardiale Ereignisse verhindern, die Gesamtsterblichkeit beziehungsweise die Lebenserwartung bleiben aber unverändert. Ob angesichts hoher Zusatzkosten eine Therapie zu rechtfertigen ist, ist eine private Entscheidung: die Verschreibung von Atorvastatin ist derzeit nur auf Privatrezept möglich.
- Andere Lipidsenker wie Fibrate oder Cholesterin-Resorptionshemmer sind bis zum Beweis ihrer Wirksamkeit als Lipidkosmetik anzusehen und nur für seltene Spezialfälle (zum Beispiel Fibrate zur Vermeidung einer Pankreatitis bei Hypertriglyzeridämie) indiziert.

Dr. med. Uwe Popert
Dörnbergstraße 21
34119 Kassel

Interessenkonflikt
Der Autor erklärt, dass kein Interessenkonflikt im Sinne der Richtlinien des International Committee of Medical Journal Editors besteht.
1.
Nakamura H, Arakawa K, Itakura H, Kitabatake A, Goto Y, Toyota T, et al.: Primary prevention of cardiovascular disease with pravastatin in Japan (MEGA Study): a prospective randomised controlled trial. The Lancet 2006; 368: 1155–63. MEDLINE
2.
Wanner C, Krane V, Marz W, Olschewski M, Mann JF, Ruf G et al.: Atorvastatin in patients with type 2 diabetes mellitus undergoing hemodialysis. N Engl J Med 2005; 353: 238–48. MEDLINE
3.
Hayward RA, Hofer TP, Vijan S: Narrative Review: Lack of evidence for recommended low-density lipoprotein treatment targets: a solvable problem. Ann Intern Med 2006; 145: 520–30. MEDLINE
1. Nakamura H, Arakawa K, Itakura H, Kitabatake A, Goto Y, Toyota T, et al.: Primary prevention of cardiovascular disease with pravastatin in Japan (MEGA Study): a prospective randomised controlled trial. The Lancet 2006; 368: 1155–63. MEDLINE
2. Wanner C, Krane V, Marz W, Olschewski M, Mann JF, Ruf G et al.: Atorvastatin in patients with type 2 diabetes mellitus undergoing hemodialysis. N Engl J Med 2005; 353: 238–48. MEDLINE
3. Hayward RA, Hofer TP, Vijan S: Narrative Review: Lack of evidence for recommended low-density lipoprotein treatment targets: a solvable problem. Ann Intern Med 2006; 145: 520–30. MEDLINE

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