ArchivDeutsches Ärzteblatt6/2007Statintherapie bei koronarer Herzkrankheit: Argumentation nicht nachvollziehbar

MEDIZIN: Diskussion

Statintherapie bei koronarer Herzkrankheit: Argumentation nicht nachvollziehbar

Dtsch Arztebl 2007; 104(6): A-355 / B-314 / C-301

Traut, Volker; Hörscher, Herrmann

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LNSLNS Die von den Autoren des Beitrags aus den Statin-Studien gezogenen „positiven“ therapeutischen Schlussfolgerungen bei KHK-Patienten sind nicht nachvollziehbar.
Ihrer Aussage, „Statine sind (bei KHK-Patienten) im Rahmen einer Lipidsenkung Medikamente erster Wahl, weil für sie eine Reduktion der kardiovaskulären Morbidität und Sterblichkeit belegt ist,“ steht gegenüber, dass:
– 97 Prozent bis 99 Prozent der KHK-Patienten „Non-Responder“ auf Statine sind, bezogen auf die primären Endpunkt-Resultate aller gegen Placebo zur Sekundärpräventionen durchgeführten Statin-Studien und dies obwohl sie jahrelang CSE-Hemmer eingenommen haben
– der Unterschied in der Reduktion der Sterblichkeit zwischen Placebo und Statinen in den erwähnten Studien nur marginale 0,2 bis 3,8 Prozent beträgt.
Explizit wurde in der größten Statin-Studie „Heart Protection“(> 20 000 Patienten) nach fünf Jahren täglicher Gabe von 40 mg Simvastatin der besonders bedeutungsvolle primäre Endpukt „koronare Mortalität“ um winzige 1,2 Prozent, die Gesamtmortalität um 1,8 Prozent gesenkt.
Dies entspricht nahezu Placeboniveau und ist klinisch völlig irrelevant
Zu kritisieren ist die von den Autoren erfolgte selektive Darstellung der jüngsten Studien mit aggressiver Statintherapie, weil die Ergebnisse der Gesamtmortalität dem Leser vorenthalten wurden. Sie belegen eindeutig, dass die Unterschiede zu den Statinstandard-Dosen nahe Null liegen: Sie beträgt für die TNT (T-Studie) minus 0,1 Prozent, für die IDEAL (L-Studie) 0,2 Prozent, für die PROVE-IT (VE-IT-Studie) 1,0 Prozent, und die A-to-Z-Studie 1,2 Prozent.
Die „Verhinderung“ von Morbidität und Mortalität durch Statine bei KHK-Patienten ist nur minimal.
Aus allen randomisierten, placebokontrollierten und doppelverblindeten Sekundärpräventions-Studien mit Statinen ist deswegen nicht erkennbar, warum LDL-Cholesterin ein besonderer zu reduzierender Risikofaktor sein soll.

Gemeinschaftspraxis
Drs. med. Volker Traut und Herrmann Hörscher
Am Himmelreich 1, 79312 Emmendingen

Interessenkonflikt
Die Autoren erklären, dass kein Interessenkonflikt im Sinne der Richtlinien des International Committee of Medical Journal Editors besteht.

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