ArchivDeutsches Ärzteblatt6/2007Statintherapie bei koronarer Herzkrankheit: Strategie der festen Dosis

MEDIZIN: Diskussion

Statintherapie bei koronarer Herzkrankheit: Strategie der festen Dosis

Dtsch Arztebl 2007; 104(6): A-355 / B-314 / C-301

Donner-Banzhoff, Norbert

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LNSLNS Man unterscheidet explanatorische und pragmatische Therapiestudien. Bei Ersteren sind alle Bedingungen optimiert, um eine Wirkung der Prüfbehandlung darzustellen: Ein-/Ausschlusskriterien, Behandlungsintensität und Nachbeobachtungszeit. Eine solche Studie sagt jedoch nicht, ob die Prüftherapie auch im Alltag effektiv ist; dazu sind pragmatische Studien erforderlich.
Während „klassische“ Statin-Studien den Anforderungen an pragmatische Studien genügten, sind die von den Autoren aufgeführten Hochdosis-Studien explanatorisch. In der TNT-Studie (1) wurden Patienten mit manifester KHK, LDL-Cholesterin von 130 bis 250 mg/dL und Triglyzeriden < 600 mg/dL acht Wochen lang mit Atorvastatin 10 mg/d behandelt. Nur Patienten mit LDL-C < 130 mg/dL wurden dann randomisiert.
Dies muss als Titrierungs-Strategie mit nach Risiko abgestuften Zielwerten umgesetzt werden. Die Komplexität ist damit jedoch so hoch, dass sich der Effekt der Hochdosis-Studien in einer pragmatischen Studie verlieren würde. Lipidexperten erkennen diese Problematik an: in ihren eigenen Studien arbeiten sie mit festen (allerdings hohen) Statin-Dosen.
Deshalb empfiehlt die Fachgesellschaft der Allgemeinärzte (DEGAM) eine Strategie der festen Dosis: Hochrisiko-Patienten erhalten eine Standarddosis, zum Beispiel Simvastatin 40 mg/d. Da dies auch wirkt, wenn LDL „nicht anspricht“ (2), erübrigen sich Kontrollen, Dosisanpassungen oder der Einsatz unzureichend evaluierter Substanzen (zum Beispiel Ezitimib).
Ein niedriges LDL kann vieles bedeuten: gesunde Ernährung und Bewegung oder einfach Compliance mit einem Statin, die mit Compliance für andere Medikamente einhergeht, also auch für ASS und Betablocker – von den pleiotropen Effekten der Statine ganz zu schweigen.
Wenn wir es geschafft haben, Hochrisiko-Patienten – auch bei normalen oder niedrigen LDL-Werten – mit evidenzbasierter Standarddosis zu versorgen, kann man über teuren „Labor-Barock“ diskutieren.


Prof. Dr. med. Norbert Donner-Banzhoff, M.H.Sc.
Abteilung für Allgemeinmedizin
Präventive und Rehabilitative Medizin
Philipps-Universität Marburg
35032 Marburg
E-Mail: Norbert@med.uni-marburg.de

Interessenkonflikt
Der Autor erklärt, dass kein Interessenkonflikt im Sinne der Richtlinien des International Committee of Medical Journal Editors besteht.
1.
LaRosa JC, Grundy SM, Waters DD, Shear C, Barter P, Fruchart JC et al.: Intensive lipid lowering with atorvastatin in patients with stable coronary disease 1. N Engl J Med 2005; 352(14):1425–35. MEDLINE
2.
MRC/BHF Heart Protection Study of cholesterol lowering with simvastatin in 20,536 high-risk individuals: a randomised placebo-controlled trial. Lancet 2002; 360(9326): 7–22. MEDLINE
1. LaRosa JC, Grundy SM, Waters DD, Shear C, Barter P, Fruchart JC et al.: Intensive lipid lowering with atorvastatin in patients with stable coronary disease 1. N Engl J Med 2005; 352(14):1425–35. MEDLINE
2. MRC/BHF Heart Protection Study of cholesterol lowering with simvastatin in 20,536 high-risk individuals: a randomised placebo-controlled trial. Lancet 2002; 360(9326): 7–22. MEDLINE

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