ArchivDeutsches Ärzteblatt6/2007Robert Schumann. Lebenslust und Leidenszeit

KULTUR

Robert Schumann. Lebenslust und Leidenszeit

Dtsch Arztebl 2007; 104(6): A-361 / C-307

Payk, Theo R.

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Robert Schumann: Lieben und Leiden

Als junger Mann war Robert Schumann, der spätere Komponist (1810–1856), ein lebensfroher Mensch, der Freundschaften pflegte, gerne einen trank und bei Frauen gut ankam. Sein Tagebuch, das er schon als Heranwachsender penibel führte, zeugt aber auch von Ängsten und früher Einsamkeit. Die Zeiten der finsteren Melancholie häuften sich im Verlauf seines Lebens. Schumann wurde kontaktscheu bis kontaktunfähig, entwickelte Ticks, so hielt er etwa beim Dirigieren den Taktstock vor den Mund, litt unter Versagensängsten und Wahnvorstellungen und war krankhaft eifersüchtig auf seine erfolgreiche Frau Clara.
Die letzten Lebensjahre (vom 4. März 1853 bis zum 29. Juli 1856) verbrachte Schumann in einer privaten Nervenklinik in Bonn-Endenich, besucht von Johannes Brahms, dem Düsseldorfer Hausfreund, nicht aber von seiner Frau.
Den Autor dieser Schumann-Biografie, ehemals Leiter des Zentrums für Psychiatrie an der Ruhr-Uni Bochum, beschäftigt vor allem, wie Schumann es schaffte, sein Leben trotz langwieriger und schwerer Krankheit zu bewältigen. Payk stützt sich auf die lange verschollenen, kürzlich aber publizierten Endenicher Krankenakten, auf Schumanns eigene Aufzeichnungen sowie auf Briefwechsel, darunter solche mit Clara Schumann.
Der Autor führt Schumanns langsamen geistigen Verfall auf eine Syphilisinfektion zurück, die sich der junge Mann 1831 in Leipzig zuzog. Doch zuvor schon scheint Schumann unter depressiven Phasen gelitten zu haben. Ein Schlag war die Lähmung seines rechten Mittelfingers (1832). Eine Laufbahn als Klaviervirtuose blieb ihm somit versperrt (die später seiner Frau gelang). Er konzentrierte sich, zum Glück für die Nachwelt, auf das Komponieren und blieb kreativ bis auf die Endenicher Jahre. Das Schaffen im letzten Lebensjahrzehnt gilt Kritikern freilich als relativ flach, während Liebhaber gerade die liedhafte Schlichtheit schätzen.
Payks Buch ist gut zu lesen und wirkt authentisch, weil die originalen Aufzeichnungen treffsicher eingebaut werden. Der Autor vermerkt wie auch andere Schumann-Biografen die Lebensstationen und das in sie verflochtene musikalische Schaffen und konzentriert sich auf die psychiatrische Seite der Biografie. Und die bietet Stoff genug. Norbert Jachertz

Theo R. Payk: Robert Schumann. Lebenslust und Leidenszeit. Bouvier Verlag, Bonn, 2006, 269 Seiten, 7 SW-Abbildungen, gebunden, 22 €
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