ArchivDeutsches Ärzteblatt6/2007Novartis: Vorsichtiger Optimismus

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Novartis: Vorsichtiger Optimismus

Gieseke, Sunna

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Trotz Rekordgewinn zögerliche Prognosen – Novartis-Chef Daniel Vasella präsentiert in Basel die Jahresbilanz. Foto: dpa
Trotz Rekordgewinn zögerliche Prognosen – Novartis-Chef Daniel Vasella präsentiert in Basel die Jahresbilanz. Foto: dpa
In den nächsten zwölf Monaten wird Novartis acht neue Arzneimittel einführen. Von Euphorie war allerdings bei der Bilanz-Pressekonferenz in Basel nichts zu spüren.

Der Schweizer Pharmakonzern Novartis hat sich für 2007 viel vorgenommen: Acht neue Medikamente sollen in den nächsten zwölf Monaten auf den Markt kommen. Dadurch soll das Geschäft mit innovativen Originalmedikamenten forciert werden. Von den acht Markteinführungen hätten drei das Zeug zu Blockbustern, sagte der Geschäftsführer der internationalen Novartis-Pharmasparte, Thomas Ebeling, bei der Bilanzpressekonferenz 2006 in Basel. Zu ihnen zählen die bereits für 2006 angekündigten Mittel Galvus (ein orales Antidiabetikum) und Tekturna/Rasilez (gegen Bluthochdruck). Des Weiteren soll 2007 Lucentis – ein Injektionsmittel zur Verbesserung der Sehkraft bei der altersabhängigen Makuladegeneration (AMD) – auf den Markt gebracht werden. Ein Gewinnschub sei aber erst für das nächste Jahr zu erwarten.
In Deutschland werden nach Angaben von Dr. Peter Maag, Leiter der Novartis Deutschland GmbH, bis 2008 neun neue Produkte eingeführt. Bereits Anfang dieses Monats ist der Blutdrucksenker Exforge, den die EU-Kommission kürzlich zugelassen hat, auf den Markt gekommen. Exforge ist ein Kombinationspräparat aus Diovan (Novartis) und Norvasc (Pfizer). Für Norvasc ist der Patentschutz weggefallen.
Der wachsende Preisdruck im Arzneimittelmarkt lässt Novartis erstmals für das laufende Jahr ein geringeres Wachstum erwarten. Nach zuletzt zweistelligen Wachstumsraten werde der Umsatz 2007 „im mittleren bis hohen einstelligen Bereich“ steigen, sagte Daniel Vasella, Präsident und Delegierter des Verwaltungsrates. Zum Kerngeschäft von Novartis zählt Vasella weiterhin Generika, Tiermedikamente und freiverkäufliche Arzneimittel. Hier könne man deutliche Synergien mit innovativen Medikamenten nutzen.
Bei der Vorlage der Jahreszahlen interessieren aber vor allem die Fakten: Der Novartis-Konzern, der vor zehn Jahren aus einer Fusion der beiden Schweizer Pharma- und Chemieunternehmen Sandoz und Ciba entstanden ist, erzielte einen Reingewinn von 7,2 Milliarden Dollar (5,5 Milliarden Euro). Das entspricht einem Plus von 17 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Der Umsatz konnte um 15 Prozent auf 37,02 Milliarden Dollar gesteigert werden.
Novartis ist in vier Sparten aufgestellt: Pharmaceuticals, Consumer Health (OTC), Generika (Sandoz/Hexal) und „Vaccines & Diagnostics“ (Impfstoffe und Diagnostika). Besondere Erwartungen setzt Novartis in das Wachstum der neuen Sparte „Vaccines and Diagnostics“, die im April 2006 durch Zukauf des Unternehmens Chiron hinzugekommen ist. Damit ist Novartis weltweit der fünftgrößte Hersteller von Impfstoffen. Zudem will das Unternehmen „weiterhin offensiv in Forschung und Entwicklung investieren, um unsere Performance fortzusetzen“, wie Konzernchef Vasella bekräftigte. Dominierend unter den verschiedenen Sparten bleibt das Pharmageschäft. Hier kletterte der Umsatz um elf Prozent auf 22,6 Milliarden Dollar. Spitzenreiter bei den Präparaten sind das Bluthochdruckmittel Diovan mit vier Milliarden Dollar Umsatz und das Leukämiemittel Glivec mit mehr als 2,5 Milliarden Dollar Umsatz.
Im Pharmageschäft fallen in diesem Jahr bei dem drittgrößten Pharmahersteller Patente für umsatzstarke Originalpräparate weg. Zunächst läuft in den Vereinigten Staaten der Patentschutz für Lamisil (Pilzerkrankungen) und Trileptal (Epilepsie) aus. Hier rechnet Pharmachef Ebeling schon bald mit starker Konkurrenz durch billigere Generika. In diesem Geschäftsfeld bereitet Novartis vor allem der deutsche Markt Sorgen: Hexal, das seit 2005 zum Konzern gehört, und Sandoz, seit 2003 die Generika-Marke von Novartis, sahen sich im Zuge der neuen Festbetragsregelung und Zuzahlungsbefreiung für Präparate, die 30 Prozent unterhalb der Festbeträge liegen, gezwungen, die Preise stark zu senken. Dennoch konnte sich das Pharmaunternehmen auf dem deutschen Markt behaupten. Vor allem durch die Integration von Hexal und Chiron (jetzt Novartis-Behring) kletterte der Umsatz um 27 Prozent auf 2,5 Milliarden Euro. Der Marktanteil der Novartis-Gruppe stieg um 0,5 Punkte auf 11,45 Prozent.
Sunna Gieseke
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