ArchivDeutsches Ärzteblatt6/2007Multi-Kinase-Hemmer: Gezielte Therapie beim Nierenzellkarzinom

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Multi-Kinase-Hemmer: Gezielte Therapie beim Nierenzellkarzinom

Dtsch Arztebl 2007; 104(6): A-364

Zylka-Menhorn, Vera

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LNSLNS Sorafenib nimmt den Tumor „in die Zange“
In Deutschland erkranken jährlich mehr als 10 000 Menschen am klarzelligen Nierenzellkarzinom. Wird der Tumor frühzeitig entdeckt, kann er meist erfolgreich operativ entfernt werden. Ein Viertel der Patienten hat jedoch zum Zeitpunkt der Diagnose bereits Metastasen. Fortgeschrittene und metastasierte Tumoren sind jedoch mit den derzeit zur Verfügung stehenden Verfahren, wie die Immuntherapie mit Interferon und Interleukin-2, nur schwer behandelbar.
Mit dem gemeinsam von der Bayer HealthCare AG und Onyx Pharmaceuticals Inc. entwickelten Wirkstoff Sorafenib (Nexavar®) zeichnet sich für diese Fälle eine Therapieoption ab. Die Substanz ist ein Multi-Kinase-Hemmer, der zwei verschiedene Enzymklassen angreift: Sie richtet sich zum einen gegen mehrere am Zellwachstum beteiligte Enzyme (Raf-Kinasen), zum anderen gegen die tumorinduzierte Neoangiogenese. Auf diese Weise blockieren Multi-Kinase-Hemmer sowohl die Tumorproliferation als auch die Bildung neuer Blutgefäße (Tumorangiogenese).
Die empfohlene Dosis für Sorafenib beträgt zweimal täglich 400 mg. Da sich bei gleichzeitiger Einnahme mit einer fettreichen Mahlzeit die Resorption um 30 Prozent verringert, sollten die Tabletten unabhängig von einer Mahlzeit eingenommen werden. „Die Zulassung basiert auf der bisher größten randomisierten und placebokontrollierten Studie zum fortgeschrittenen Nierenzellkrebs“, sagte Dr. Dimitris Voliotis (Bayer Healthcare). An der TARGET-Studie (Treatment Approaches in Renal Cancer Global Evaluation Trial) nahmen 903 Patienten teil, die eine nicht resezierbare und/oder metastasierte Erkrankung hatten und in den vorangegangenen acht Monaten erfolglos systemisch therapiert worden waren. Sie erhielten entweder zweimal täglich 400 mg Sorafenib oder Placebo. Das progressionsfreie Überleben konnte mit Sorafenib von zwölf Wochen (Placebo) auf 24 Wochen verdoppelt werden (p = 0,000001). Eine Stabilisierung des Tumors wurde unter Verum bei 84 Prozent und unter Placebo bei 55 Prozent erreicht. Das Gesamtüberleben konnte die Sorafenib-Therapie um knapp 40 Prozent verlängern. Infolgedessen wurde das Studienprotokoll geändert und auch die ursprüngliche Placebogruppe mit Sorafenib behandelt. Erste Daten nach sechs Monaten weisen darauf hin, dass auch diese Patienten noch von der Verumtherapie profitieren. Die Überlebenszeit stieg unter der später einsetzenden Behandlung von 14,7 auf 15,9 Monate.
Foto: Pfizer Oncology
Foto: Pfizer Oncology
Häufigste Nebenwirkungen der Therapie waren Hautausschlag, eine Hand-Fuß-Hautreaktion, trockene Haut oder Rötung; Durchfall und Hypertonie waren nach Aussage von Voliotis jedoch gut behandelbar. Typische Nebenwirkungen der bisherigen Chemotherapie wie Fatigue und Haarausfall traten deutlich seltener oder schwächer auf. Die Abbruchrate aufgrund der Nebenwirkungen betrug bei Sorafenib zehn, bei Placebo acht Prozent.
Der Multi-Kinase-Hemmer wird auch bei anderen Tumorentitäten untersucht. Gegenwärtig laufen Phase-III-Studien zur Behandlung des fortgeschrittenen Leberzellkarzinoms und des nicht kleinzelligen Lungenkarzinoms; Letzteres mit Sorafenib als Erstbehandlung.
Enttäuschend verlief hingegen eine Phase-III-Studie zum metastasierten malignen Melanom. Hierfür waren 270 Patienten nach vorangegangenen Chemotherapien (Dacarbazin oder Temozolomid) in die Studie aufgenommen worden. In dem dreiwöchigen Standardtherapiezyklus mit Carboplatin und Paclitaxel hatten die Patienten zusätzlich entweder Nexavar oder Placebo erhalten. Primärer Endpunkt war die progressionsfreie Überlebenszeit. Nachdem das Behandlungsergebnis in beiden Therapiearmen ähnlich war, wurde die Studie abgebrochen.
Dr. med. Vera Zylka-Menhorn

Nexavar®-Ausbietungs-Pressekonferenz in Köln, Veranstalter: Bayer Vital; Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Hämatologie und Onkologie in Leipzig; Pressemitteilung vom 4. 12. 2006.
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