ArchivDeutsches Ärzteblatt6/2007Karrierefaktor Selbstvermarktung: Eigenlob stinkt nicht immer

BERUF

Karrierefaktor Selbstvermarktung: Eigenlob stinkt nicht immer

Dtsch Arztebl 2007; 104(6): [94]

Lange, Alfred

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LNSLNS Bei der Karriereentwicklung geht es immer mehr darum, nicht nur Gutes zu tun, sondern auch dafür zu sorgen, dass andere dies erfahren.

Die DAX-Unternehmen machen es vor: In einer Studie des Wirtschaftsmagazins Capital über die (Selbst-)Darstellung im Top-Management der DAX-Unternehmen wurde dargestellt, wie intensiv sich die Kommunikationsstrategen um die Außenwirkung und Selbstvermarktung der Vorstandsvorsitzenden kümmern. Anfang Dezember 2006 vermeldeten die Zeitungen, dass Werner Wenning, Vorstandschef der Leverkusener Bayer AG, dabei den ersten Platz belegt.
Eine gelungene Positionierung und Selbstvermarktung der eigenen Person und Persönlichkeit wird zum Karrierefaktor. Junge Ärzte, die am Beginn ihrer beruflichen Laufbahn stehen, sollten ihre Kompetenzen und Fähigkeiten ins rechte Licht rücken, ohne aufzuschneiden. Eigenlob stinkt nicht, zumindest nicht immer! Nun steht nicht jedem Arzt eine Presseabteilung zur Seite, die das Geschäft seiner Selbstvermarktung professionell betreibt – das muss der Arzt schon selbst übernehmen. Die Kunst dabei besteht darin, die eigenen Verdienste so in den Mittelpunkt zu rücken, dass der Arzt nicht als Karrierist empfunden wird, der „über Leichen geht“.
Reine Selbstdarsteller werden von ihrem Umfeld eher abgelehnt. Besser ist es, im Berufsleben Eigenheiten zu betonen und sich von der Masse abzuheben, statt Stromlinienförmigkeit anzustreben. Dabei sollte der Arzt authentisch und glaubwürdig bleiben. Das bedeutet: Das Verhalten ist in sich stimmig, es gibt keinen Widerspruch zwischen seinen Werten, Überzeugungen, Fähigkeiten und Verhaltensweisen. Der Arzt steht hinter dem, was er sagt und tut. Der Weg zu mehr Kongruenz und Authentizität führt über Handlungsweisen, die den eigenen Werten entsprechen.
„Setzen Sie sich um jeden Preis durch, zeigen Sie, wer der Chef im Ring ist, schieben Sie sich bei jeder sich bietenden Gelegenheit in den Vordergrund“ – dies wäre sicher der falsche Weg. Ab und zu wird sich der Arzt in einer konkreten Situation auf diese Art und Weise profilieren müssen, etwa in einem Machtkampf mit einem Kollegen. Unter dem Karriereaspekt ist dieses Verhalten jedoch kontraproduktiv. Schnell hat sich der Arzt den Ruf als Rambo mit Ellbogenmentalität erworben.
Besser ist es, er überlegt sich genau, welche Menschen im Job-Umfeld für ihn besonders wichtig sind, um zu versuchen, eine Beziehung zu diesen Menschen aufzubauen. Das muss nicht immer der Chefarzt sein. Im Kollegenkreis oder in der Verwaltung wird es auch Personen geben, die erfahren sollten, welche Stärken der Arzt hat. Auf diese Zielgruppe konzentriert er seine Selbstvermarktungsaktivitäten, die immer ein konkretes Ziel haben müssen. Sie dürfen nicht um ihrer selbst willen in Gang gesetzt werden. Vielmehr sollte der Arzt planen, wozu er sich selbst vermarktet: „In fünf Jahren möchte ich dieses Ziel erreicht haben.“
Im Mittelpunkt der Selbstvermarktung stehen stets die besonderen Stärken des Arztes. Dazu führt er eine Stärken-Schwächen-Analyse durch. Angenommen, seine Stärke ist die Fähigkeit, ausgleichend zu wirken. Diese Stärke setzt er bewusst ein: im Patientengespräch, bei der Visite, bei Teamsitzungen, im Gespräch mit Kollegen und Vorgesetzten. Der Arzt sucht sich Bühnen, auf denen er seine Stärken und Leistungen angemessen in den Vordergrund stellen kann. Ziel ist es, dass eine Stärke automatisch mit der Person des Arztes verknüpft wird. Er baut sich ein Image auf.
Wem es gelingt, für eine bestimmte Kompetenz zu stehen, sodass der Name des Arztes mit ihr assoziiert wird, darf sich freuen, von Vorgesetzten und Entscheidern eher und positiver wahrgenommen zu werden als andere. Wer weiß, auf welchen Gebieten er gut ist, hat das Recht, sich etwa in der Teamrunde einzuschalten, sobald er aufgrund seiner Stärke etwas Substanzielles zu sagen hat, wozu andere nicht in der Lage sind. Auf der anderen Seite gehört dazu das Wissen, wann man auch einmal „den Mund halten“ muss.
Selbstvermarktung heißt also, auf seine eigenen Stärken und Leistungen gebührend hinzuweisen und Kompetenzen zu kommunizieren: nicht übertreibend, aber doch selbstbewusst und bestimmt. Wie dies ausschaut, ist oft vom Typ und der Situation abhängig – und damit wieder von der Authentizität. Wenn der introvertiert veranlagte Arzt beginnt, in der Teamrunde das Gespräch an sich zu reißen und seine „tollen“ Leistungen zu betonen, wirkt dies aufgesetzt.
Die Selbstvermarktung in Klinik oder Praxis erfordert eine sensible Vorgehensweise, damit die Profilierungsaktivitäten des Arztes nicht dazu führen, dass ihm etwa neidische Kollegen Stolpersteine auf den Karriereweg werfen. Die Werbung in eigener Sache darf darum nie auf Kosten anderer Menschen geschehen. Allerdings: Wenn der Arzt in der Gruppe gelobt wird, sollte er diese Gelegenheit beim Schopfe packen und die Situation zu seinen Gunsten ausnutzen. Erfolge dürfen gefeiert werden – auch so, dass andere es mitbekommen.
Eine gute Variante, sich zu profilieren, ist es übrigens auch, dem Vorgesetzten bei Gelegenheit die (natürlich wohl begründete) Meinung zu sagen und ihn etwa darauf hinzuweisen, wenn er sich irrt. Dabei muss der Arzt jedoch gut abwägen, ob die Persönlichkeit des Vorgesetzten und die jeweilige Situation geeignet sind, einen solchen Profilierungsversuch zu wagen.
Alfred Lange, Praxiscoach
E-Mail: a.lange@medicen.de
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