ArchivDeutsches Ärzteblatt PP2/2007Präventionsmassnahmen: Große Wirkung auf Entwicklung von Kindern und Jugendlichen

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Präventionsmassnahmen: Große Wirkung auf Entwicklung von Kindern und Jugendlichen

PP 6, Ausgabe Februar 2007, Seite 69

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LNSLNS Die Zahl der Präventionsmaßnahmen für Kinder und Jugendliche ist in den letzten Jahren beträchtlich gestiegen. Prof. Dr. Andreas Beelmann von der Universität Jena hat nun die Ergebnisse zu Präventionsmaßnahmen zusammengefasst, wie sie in Metaanalysen und anderen quantitativ orientierten Überblicksarbeiten im Zeitraum von 1995 bis heute untersucht wurden. Die meisten Arbeiten lagen zur Prävention externalisierender Störungen, Suchtprävention und Wirksamkeit von Programmen zur allgemeinen Entwicklungsförderung vor. Die Effekte der meisten Programme lagen im mittleren Bereich, was etwa einer geringeren Belastungsrate beziehungsweise höheren Besserungsrate von 15 bis 25 Prozent entspricht. Die Programmeffekte waren den Effekten von Psychotherapie oder psychosozialen Interventionen nicht überlegen und wiesen im historischen Verlauf keine Steigerung auf. Universelle Präventionsmaßnahmen erzielten geringere Effekte als gezielte Maßnahmen. Insbesondere im Suchtbereich wurde die Überlegenheit strukturierter, fähigkeitsorientierter und interaktiver Programme im Vergleich zu Programmen, die allein auf Information und Aufklärung setzen, festgestellt.
Darüber hinaus zeigten sich höhere Effekte bei Programmen, die im universitären Rahmen und bei Beteiligung der Programmentwickler durchgeführt und evaluiert wurden. Niedrigere Effekte wurden hingegen bei Projekten erzielt, die im realen Praxiskontext oder durch Dritte (zum Beispiel Lehrer, praktizierende Psychologen) umgesetzt wurden. „Präventive Maßnahmen haben signifikante und zum Teil beträchtliche Wirkungen auf die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen“, so Beelmann, der auch an der Evaluation eines Eltern- und Kindertrainings namens EFFEKT beteiligt war. An diesem Projekt beteiligten sich 675 Kindergartenkinder im Alter von vier bis fünf Jahren aus Nürnberg und Erlangen und ihre Familien. 227 Kinder dienten als Kontrollgruppe, während 227 Kinder und deren Eltern an einem Kindertraining, einem Elterntraining oder an einer Kombination teilnahmen. Beim Kindertraining „Ich kann Probleme lösen“ stand das soziale Problemlösen im Vordergrund, das unter anderem mit sozial-kognitiven Strategien, Bildvorlagen, Handpuppen und Rollenspielen vermittelt wurde. Das Training der Eltern zielte auf die Förderung der Erziehungskompetenz ab. Es zeigte sich, dass die Trainings nachweisbare Effekte auf das Verhalten der Kinder hatten, sowohl kurzfristig als auch langfristig. Bei allen Trainings war der Anteil der „Problemkinder“ nach den Zeugnisbemerkungen der Schule geringer als in den Kontrollgruppen. Insgesamt reduzierte er sich um mehr als die Hälfte. Entsprechend der Befunde aus Metaanalysen fielen auch bei diesem Training die Effektstärken relativ klein aus und variierten erheblich. Dennoch ist Beelmann überzeugt davon, dass auch kleine Präventionseffekte sich unter Kosten-Nutzen-Gesichtspunkten auszahlen. ms

Lösel F, Beelmann A, Stemmler M, Jaursch S: Prävention von Problemen des Sozialverhaltens im Vorschulalter. Evaluation des Eltern- und Kindertrainings EFFEKT. Zeitschrift für Klinische Psychologie und Psychotherapie 2006; 2: 127–39.

Beelmann A: Wirksamkeit von Präventionsmaßnahmen bei Kindern und Jugendlichen. Zeitschrift für Klinische Psychologie und Psychotherapie 2006; 2: 151–62.

Prof. Dr. Friedrich Lösel, Institute of Criminology, University of Cambridge, Sidgwick Avenue, Cambridge, CB3 9DT, UK, E-Mail: fal23@cam.ac.uk

Prof. Dr. Andreas Beelmann, Universität Jena, Institut für Psychologie, Humboldtstraße 26, 07743 Jena, E-Mail: andreas.beelmann@uni-jena.de
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