ArchivDeutsches Ärzteblatt PP2/2007Psychotherapie: Elemente anderer Schulen integrieren

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Psychotherapie: Elemente anderer Schulen integrieren

PP 6, Ausgabe Februar 2007, Seite 86

Eichenberg, Christiane

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LNSLNS Therapieschulen erweitern und die Integration im therapeutischen Handeln fördern, das haben die Herausgeber zu ihrem Ziel erklärt, als sie weitere 34 Psychotherapeuten unterschiedlichster Orientierungen gebeten haben, ihre „Schätze“ preiszugeben. Gemeint sind Übungen, Methoden und Techniken, die sich im therapeutischen Alltag und in der persönlichen Arbeit mit Patienten als „nützlich, interessant und hilfreich“ erwiesen haben.
101 solcher Therapiemethoden und ­übungen haben die Herausgeber zusammengetragen und jede für sich in ein gleiches und übersichtliches Raster wie folgt gebracht: Autor, Ziel der Übung, Zielgruppe (Erwachsene, Jugendliche, Kinder, Paare, Gruppe, System), Einsatzmöglichkeiten/Indikationen, Setting (Einzel, Paar, Gruppe), Bereich/Fokus (zum Beispiel Emotion, Kognition, Verhalten, Ressource, Körper, Fantasie), Dauer, benötigtes Material, Beschreibung der Übung, Quelle/Literatur.
Oft haben Psychotherapeuten ihre festen Standbeine in der von ihnen gelernten und favorisierten therapeutischen Orientierung, zum Beispiel psychodynamische Verfahren, Verhaltenstherapie, Gesprächspsychotherapie, Systemische Therapie. Aber immer wieder erfahren sie therapeutische Herausforderungen, in denen sie sich wünschen, Elemente anderer Schulen zu integrieren: etwa Ressourcen zu erkennen und zu stärken, Verhaltensübungen durchzuführen, kreative Medien einzusetzen, den Körper einzubeziehen, die systemische Brille zu nutzen, den Patienten komplexe Zusammenhänge besser verstehen zu lassen, die Fantasie reisen zu lassen, mit Hausaufgaben zu arbeiten, ein konkretes Problem zu lösen, Erlebens-
ebenen zu verbinden, mit starken
Gefühlen von Patienten therapeutisch umzugehen, die Übertragungsbeziehung zu nutzen. Und oft stellt der
eigene therapeutische Ansatz dafür keine Intervention bereit. Die Anleihe aus anderen therapeutischen Richtungen kann dafür hilfreich sein, und genau dafür bietet das Buch mit seinen verschiedenen Suchsystemen wertvolle Unterstützung
Es kann als Nachschlagewerk für eine konkrete Arbeit mit Patienten genutzt werden, aber es ist auch interessant, sich beim Stöbern Anregungen für die Erweiterung des therapeutischen Handelns zu holen.
Das Buch verfolgt konsequent einen integrativen Gedanken in der Psychotherapie, der sich in den nächsten Jahren vermehrt verbreiten wird: Wer sich in einer therapeutischen Richtung aus- oder weitergebildet hat, mit dieser Richtung auch als sicheres Therapiestandbein arbeitet, hat ausreichend Kenntnisse, Haltungen und Verantwortung gelernt, schulenübergreifend die eigene Orientierung zu erweitern. Dabei ist jedoch zwingend, dass schulenübergreifende Interventionen in ein fundiertes theoretisches sowie praktisches Behandlungskonzept integriert werden. Einen diesbezüglich notwendigen Rahmen bietet das Buch nicht. Christiane Eichenberg


Steffen Fliegel, Annette Kämmerer (Hrsg.): Psychotherapeutische Schätze. 101 bewährte Übungen und Methoden für die Praxis. DGVT, Tübingen, 2006, 240 Seiten, gebunden, 19,80 €
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