ArchivDeutsches Ärzteblatt PP2/2007Müdigkeit: Indikator für Beziehungsprozesse

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Müdigkeit: Indikator für Beziehungsprozesse

PP 6, Ausgabe Februar 2007, Seite 87

Broda, Michael

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LNSLNS Wer kennt sie nicht: Patienten, bei denen im Verlauf der Stunde die eigenen Gedanken anfangen, sich selbstständig zu machen, bei denen einem kurz die Augen zufallen oder wie automatisiert eine Antwort eingeschoben wird. Dachten Verhaltenstherapeuten bislang, es handele sich dabei um eine physiologische Antwort des eigenen Körpers auf die mangelnde Erholung durch die Belastungen des Berufs, müssen sie sich von Isabel Auerbach eines Besseren belehren lassen: In ihrer innovativen und qualitativ angelegten Untersuchung belegt sie, dass auch in der Verhaltenstherapie (VT), wie schon früher erkannt in der Analyse, Müdigkeit als Indikator für Beziehungsprozesse in der Therapie gesehen werden muss und von den meisten untersuchten Therapeuten auch wird.
Nach einem ausführlichen Theorieteil, der sich mit der Thematisierung von Müdigkeit in den unterschiedlichen Grundorientierungen befasst, werden die Interviewmethoden beschrieben und eingehend die sechs zugrunde liegenden Einzelinterviews geschildert. Für den therapeutisch arbeitenden Leser interessant sind dann die Zusammenfassung sowie die Diskussion, die die Bedeutung der Beachtung des Phänomens „Müdigkeit“ als Beziehungsindikator sowie für Ausbildung und Supervision unterstreicht. Auch interessant ist die These der zugrunde liegenden aggressiven Emotionen bei schleppendem oder schwierigem Therapieverlauf. Ob allerdings eine Erhöhung des Stundenkontingents in der VT diesem Umstand, wie angeregt, Abhilfe schaffen würde, mag bezweifelt werden.
Man würde sich dennoch wünschen, dass diese Überlegungen in einer separaten Publikation in einer praktisch orientierten klinischen Zeitschrift einer breiteren Therapeutenöffentlichkeit zugänglich gemacht werden könnten. Michael Broda

Isabel Auerbach: Die Müdigkeit des Therapeuten. Eine qualitative Studie zum Stellenwert von Müdigkeit bei Verhaltenstherapeuten. MWV – Medizinisch Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, Berlin, 2006, XII, 126 Seiten, kartoniert, 24,95 €
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