ArchivDeutsches Ärzteblatt PP2/2007Psychische Erkrankungen: Für Kinder und Erwachsene

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Psychische Erkrankungen: Für Kinder und Erwachsene

PP 6, Ausgabe Februar 2007, Seite 88

Enders, Gabriele

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Mona, neun Jahre alt, erlebt mit ihrer Mutter „Sonnigtage“ mit Vorlesen, Spielen, Erzählen. Die Tage, an denen die Mutter nicht aufstehen kann, den Haushalt nicht versorgt, der Kühlschrank leer ist und Mona zu spät und ungewaschen zur Schule kommt, sind die „Traurigtage“. Im ersten Teil des Buches begleitet der Leser Mona im Rahmen einer Vorlesegeschichte zunächst bei all ihren Bemühungen, die „Traurigtage“ wieder umzuwandeln: Kindliche Magie, brav sein, fleißig sein und sogar das Kuscheltier opfern, haben jedoch keinen Erfolg. Ihr reduzierter und von Scham geprägter Kontakt zu Mitschülern wird ebenso beschrieben wie die Hilflosigkeit, wenn sie vor der Haustür sitzt und ihre Mutter nicht in der Lage ist, die Tür zu öffnen. Erst als sie sich der Lehrerin anvertraut, ist Hilfe möglich. Hier endet der erste Teil des Buches. Dieser ist so gestaltet, dass Kinder diesen Teil des Buches gut selbst erlesen können, sich in der hervorragenden Illustration vertiefen und die eigene Fantasie mit einbringen können.
Im zweiten Teil des Buches wird der Leser direkt angesprochen und zu eigenem Handeln und Schreiben aufgefordert. Mona berichtet von ihrem weiteren Weg, der therapeutischen Behandlung ihrer Mutter, der Unterstützung für sie selbst und die Benennung aller Fragen, die Kinder in dieser Situation sich häufig nicht zu stellen wagen. Die wichtigsten Begriffe werden kindgerecht erklärt, und immer wieder wird auch auf die Problematik der Vorurteile und Ausgrenzung eingegangen: „Manche Erwachsene und Kinder, die keine Ahnung haben, geben der Psychiatrie gemeine Namen. Wie zum Beispiel Irrenhaus, Beklopptenanstalt oder Klapse.“
Der dritte Teil des Buches richtet sich als Ratgeber an Eltern und andere Bezugspersonen. Es werden anhand der vorhergehenden Geschichte das Erleben der Kinder und ihre Bedürfnisse so aufgezeigt, dass es sowohl den betroffenen Erwachsenen als auch alle anderen Beteiligten leicht fallen kann, gute Hinweise anzumerken.
Das Buch ist in vielerlei Hinsicht bemerkenswert: Ein gemeinsames Buch für Kinder und Erwachsene, in dem Kinder auch im Ratgeberteil stöbern können und nicht ausgegrenzt werden, und eine 23-jährige Autorin und Illustratorin, von der man sich noch mehr solch gute Kinderbücher erhofft. Prof. Dr. Mattejat schreibt im Vorwort: „Es ist ein konkreter Beitrag zur Überwindung der Tabuisierung psychischer Erkrankungen. Es ist auch ein wissenschaftlich qualifizierter Text, in dem der aktuelle Erkenntnisstand verarbeitet und in vorbildlicher Weise umgesetzt ist.“ Dem kann ich nur zustimmen.
Dieses Buch an die Hand der Pädagogen und Erzieher zu bringen, an die Menschen, die täglich Kontakt zu Kindern haben, wäre die vordringlichste Aufgabe – in meinem Warteraum wird es sicherlich ausliegen. Gabriele Enders

Schirin Homeier: Sonnige Traurigtage. Mabuse, Frankfurt am Main, 2006, 128 Seiten, Hardcover, 19,80 €
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