ArchivDeutsches Ärzteblatt7/2007Patientenverfügungen: Hilfe wird verweigert
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS
Mir ist unerklärlich, wie der Präsident der Bundes­ärzte­kammer zu den Aussagen kommt: „In Deutschland lehnt die Ärzteschaft aktive Euthanasie entschieden ab“ und „Generell gilt, dass Ärzte nicht töten“. Umfragen in der deutschen Bevölkerung haben ergeben, dass sich die eindeutige Mehrheit für eine aktive Euthanasie ausspricht. Umfragen in der deutschen Ärzteschaft haben meines Wissens nicht stattgefunden; es ist aber anzunehmen, dass der zustimmende Anteil eher noch höher ausfällt, da wir Ärzte häufiger mit dieser Problematik konfrontiert werden. Zudem töten Ärzte tausendfach bei Früh- und Spätabtreibungen zum Teil lebensfähiger Feten und leider auch bei Exekutionen in Ländern, in denen es die Todesstrafe gibt. Man sollte endlich akzeptieren, dass es immer wieder Patienten gibt, die aufgrund ihrer schweren Krankheit und dadurch bedingten psychischen Konfliktsituation trotz ausreichender Schmerzbehandlung und intensiver fachlicher und familiärer Unterstützung ihrem Leben ein Ende setzen wollen. Da die Euthanasie, d. h. Patienten zu einem guten Tode zu führen, eine zwar schmerzliche, aber dringend notwendige ärztliche Pflicht ist, ist es unverständlich, diese Menschen in ihrer schwierigen Lebenssituation im Stich zu lassen und Hilfe zu verweigern. Man muss es als einen Skandal bezeichnen, dass diese Patienten ins Ausland fahren müssen, um dort die erhoffte Hilfe zu erhalten. Es ist erstaunlich, dass in dieser Frage in Deutschland der Juristentag argumentativ weiter gekommen ist als die Bundes­ärzte­kammer.
Prof. Dr. med. Claus Werning, Starenweg 9,
50226 Frechen-Königsdorf
Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige