ArchivDeutsches Ärzteblatt7/2007Narbenhernie – Pathogenese, Klinik und Therapie: Ultima Ratio

MEDIZIN: Diskussion

Narbenhernie – Pathogenese, Klinik und Therapie: Ultima Ratio

Dtsch Arztebl 2007; 104(7): A-434 / B-383 / C-371

Reinmüller, Johannes

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LNSLNS Die Autoren wählen die Methode Literaturrecherche. Dadurch entsteht eine überholte Systematik zur Pathogenese der Narbenhernie. Die vorgenommene Ausgrenzung der Nahtverfahren ist damit nicht gerechtfertigt. Das Netzverfahren erhält aus Mangel an Erkenntnissen den Vorzug. Aus physiologischer und anatomischer Sicht ist es Ultima Ratio.
Wegen der uneinheitlichen Systematik in der angebotenen Literatur ist die Vergleichbarkeit der Studien fraglich. Bleibt noch der „publication bias“ und das „cui bono“: Irgendwer stellt die Netze her und will sie verkaufen. Die Förderung von Studien und des wissenschaftlichen Austausches zum Produkt sind elementare Teile des Marketings.
Der Hinweis auf die Problematik der Biokompatibilität von Biomaterialien fehlt, ist aber unabdingbar für die Diskussion. Biomaterialien erneuern sich nicht, sie altern. Durch Bewegung entstehen Reibung, Scherung Biegung beziehungsweise Abrieb und Bruchstücke. Die Haltbarkeit ist begrenzt. Wie lange ist nachzubeobachten? Bei einer 45-jährigen Patientin wird ein Kunststoffnetz im Durchschnitt für 40 Jahre gebraucht. Abrieb vagabundiert durch den gesamten Organismus und wird in Filterorganen wie Lymphknoten, Lunge, Leber, (Gehirn?) gespeichert.
Fremdmaterial erzeugt Wundheilungsstörungen. Ohne Fremdkörper findet die Wundheilung mit der Narbenreifung einen Endpunkt. Mit Fremdkörper entsteht eine chronisch granulierende Entzündung ohne Endpunkt. Hierin liegt die eigentliche Funktion des Netzes. Es ist als Kraftaufnehmer bedeutungslos. Andere Interpretationen sind Rückfälle in mechanistisches Denken. Deshalb Ultima Ratio, nicht Methode der Wahl.
Auf der Grundlage einer revidierten Systematik sind die Indikationen für Nahtverfahren weiter zu stellen. Der hier als verbindliche Lehre verkündete Rückzug auf die Netzverfahren bedeutet vorschnelle Kapitulation vor den Phänomenen der Wundheilung und lädt die Damen und Herren in den schwarzen Roben zur Diskussion.

Dr. med. Johannes Reinmüller
Klinik am Sonnenberg
Leibnizstraße 19, 65191 Wiesbaden
E-Mail: j.reinmueller@klinikamsonnenberg.de

Interessenkonflikt
Der Autor erklärt, dass kein Interessenkonflikt im Sinne der Richtlinien des International Committee of Medical Journal Editors besteht.

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