ArchivDeutsches Ärzteblatt7/2007Narbenhernie – Pathogenese, Klinik und Therapie: Schlusswort

MEDIZIN: Diskussion

Narbenhernie – Pathogenese, Klinik und Therapie: Schlusswort

Dtsch Arztebl 2007; 104(7): A-434 / B-383 / C-371

Schumpelick, Volker

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LNSLNS Fortschritte in der modernen Chirurgie fußen auf Erkenntnissen evidenzbasierter Grundlagen. Dies gilt auch für die Narbenhernie. Während klassische Chirurgen davon ausgingen (und -gehen), mit der Nahtreparation auch auf lange Zeit gute Ergebnisse zu erzielen, mussten sie sich durch prospektive randomisierte Studien und retrospektive Analysen vom Gegenteil überzeugen lassen.
Einfache Nahtverfahren in der Therapie der Narbenhernie haben eine Rezidivquote von über 50 Prozent. Dies ist begründet in der Tatsache, dass jede Narbenhernie Ausdruck eines geschwächten Kollagenmechanismus ist. Wir mussten lernen, dass dieses kranke Gewebe sich durch einfache Naht nicht stabil reparieren lässt. Aus diesem Grund werden Narbenhernien heutzutage weltweit unter Einsatz von Netzen repariert und erst hierdurch werden gute Ergebnisse erzielt.
Die bekannte Fremdkörperproblematik der alten Netze konnte heute durch die Verwendung großporiger, leichtgewichtiger Netze minimiert werden, die durch vollständige Integration in das Gewebe sehr gut biokompatibel sind. Ihr Prinzip ist eine Verstärkung des Gewebes, nicht sein Ersatz. Die Belastungsanforderung liegt bei 16 N/cm. Derart lassen sich heute exzellente Ergebnisse erreichen, die früher undenkbar waren.
In Abwägung des Risikos des unvermeidlichen Rezidivs bei direkter Nahtreparation ist der Einsatz von Netzen zur Reparation von Narbenhernien angesichts der guten Biokompatibilität moderner Netze heutzutage unzweifelhaft die bessere Wahl. Ein Verzicht auf sie ist unvertretbar und sollte von keinem Chirurgen mehr ernsthaft propagiert werden. Dies ist keine Forderung etwaiger Hersteller, sondern die nüchterne Erkenntnis prospektiver Studien (1, 2) und allgemeiner Konsens der Hernienchirurgen weltweit (3).


Prof. Dr. med. Dr. h. c. Volker Schumpelick
Chirurgische Klinik und Poliklinik
Universitätsklinikum Aachen
Pauwelstraße 30
52074 Aachen

Interessenkonflikt
Der Autor erklärt, dass kein Interessenkonflikt im Sinne der Richtlinien des International Comittee of Medical Jorunal Editors besteht.
1.
Conze J, Kingsnorth AN, Flament JB, Simmermacher R, Arlt G, Langer C et al.: Randomized clinical trial comparing lightweight composite mesh with polyester or polypropylene mesh for incisional hernia repair. Br J Surg 2005, 92: 1488–93. MEDLINE
2.
Burger J., Luijendijk RW, Hop WC, Halm JA, Verdaasdonk EG, Jeekel J: Long-term follow-up of a randomized controlled trial of suture versus mesh repair of incisional hernia. Ann Surg 2004, 240: 578–83. MEDLINE
3.
Schumpelick V, Kingsnorth AN: Incisional Hernia 1999. Berlin, Heidelberg: Springer Verlag.
1. Conze J, Kingsnorth AN, Flament JB, Simmermacher R, Arlt G, Langer C et al.: Randomized clinical trial comparing lightweight composite mesh with polyester or polypropylene mesh for incisional hernia repair. Br J Surg 2005, 92: 1488–93. MEDLINE
2. Burger J., Luijendijk RW, Hop WC, Halm JA, Verdaasdonk EG, Jeekel J: Long-term follow-up of a randomized controlled trial of suture versus mesh repair of incisional hernia. Ann Surg 2004, 240: 578–83. MEDLINE
3. Schumpelick V, Kingsnorth AN: Incisional Hernia 1999. Berlin, Heidelberg: Springer Verlag.

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