ArchivDeutsches Ärzteblatt7/2007Versorgung von Patienten mit Rektumkarzinomen in Deutschland: Vorteil nicht bewiesen

MEDIZIN: Diskussion

Versorgung von Patienten mit Rektumkarzinomen in Deutschland: Vorteil nicht bewiesen

Dtsch Arztebl 2007; 104(7): A-435 / B-384 / C-372

Seifart, Wilfrid

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LNSLNS Das Risiko für ein späteres Lokalrezidiv und für das Nicht-Überleben nach fünf Jahren bei der Anterior-Resektion ist niedriger als bei der abdominoperinealen Exstirpation. Dies verwundert nicht, weil bei der zweitgenannten Operation das Tumorstadium erfahrungsgemäß ungünstiger ist; dies wird in der Arbeit jedoch nicht dargestellt. Ebenso ist plausibel, dass die Häufigkeit des lokalen Tumorrezidivs ohne totale mesorektale Exzision (TME) höher sein muss als mit TME. Bekanntlich entsteht das lokale, sich im kleinen Becken ausbreitende Tumorrezidiv aus mesorektalen Lymphknotenmetastasen oder isolierten Tumorzellherden, sogenannten Bindegewebsmetastasen im Mesorektum, worauf schon Graff (1) lange vor Heald (2) hingewiesen hat. Allerdings gelingt es den Autoren nicht, die prognostische Relevanz der TME nachzuweisen, wie behauptet, weil der Unterschied der 5-Jahres-Überlebensrate nach Operation mit TME (73,1 Prozent) gegenüber der Operation ohne TME (72,6 Prozent) eben nicht überzeugend ist und im Chi-Quadrat-Test mit einem Chi-Wert von 0,0827 als zufällig bewertet wird. Die Prognose kann aber nur an der tumorfreien 5-Jahres-Überlebensrate gemessen werden. Es hätte der wortreichen Analyse gut getan, wenn der zwar erwartete, aber somit nicht bewiesene prognostische Vorteil der TME nicht hinter verwirrenden Zahlen versteckt, sondern offen zugegeben worden wäre. Das ändert nichts daran, dass dieses Ergebnis verwundert.


Med.-Rat PD Dr. med. Wilfrid Seifart
Werrastraße 23
16321 Bernau

Interessenkonflikt
Der Autor erklärt, dass kein Interessenkonflikt im Sinne der Richtlinien des International Committee of Medical Journal Editors besteht.
1.
Graff D: Die Bedeutung des Lymphgefäßsystems für die Ausbreitung, Behandlung und Prognose des Dickdarmkarzinoms. Bruns Beitr. Klein. Chirurgie 1949; 178: 161–8.
2.
Heald RJ, Husband EM, Ryall RD: The mesorecturn in rectal cancer surgery – the clue to pelvic recurrence? Brit J Surg 1982; 69: 613–6. MEDLINE
1. Graff D: Die Bedeutung des Lymphgefäßsystems für die Ausbreitung, Behandlung und Prognose des Dickdarmkarzinoms. Bruns Beitr. Klein. Chirurgie 1949; 178: 161–8.
2. Heald RJ, Husband EM, Ryall RD: The mesorecturn in rectal cancer surgery – the clue to pelvic recurrence? Brit J Surg 1982; 69: 613–6. MEDLINE

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