ArchivDeutsches Ärzteblatt7/2007Umsetzung von Leitlinien bei seltenen Erkrankungen am Beispiel des Merkelzellkarzinoms: Besonderheiten im Kopf-Hals-Bereich

MEDIZIN: Diskussion

Umsetzung von Leitlinien bei seltenen Erkrankungen am Beispiel des Merkelzellkarzinoms: Besonderheiten im Kopf-Hals-Bereich

Dtsch Arztebl 2007; 104(7): A-436 / B-385 / C-373

Preuss, Simon Florian; Klussmann, Jens Peter

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LNSLNS Nahezu ein Drittel aller Merkelzellkarzinome treten im Kopf-Hals-Bereich auf. Bei dieser Lokalisation unterscheidet sich die therapeutische Vorgehensweise aufgrund der anatomischen Besonderheiten grundsätzlich von den anderen. Insbesondere die empfohlene Resektion des Primärtumors mit einem Sicherheitsabstand von 3 cm ist vielfach aufgrund der resultierenden funktionellen und kosmetischen Defekte nicht zu realisieren. Daher sollte das Merkelzellkarzinom des Kopf-Hals-Bereichs interdisziplinär behandelt werden.
Weiterhin verwundert uns die spärliche Durchführung einer regionären Lymphknotendissektion (25 Prozent aller Fälle), zumal die hohe Rate an regionärer Metastasierung bekannt ist. Leider geht aus der Untersuchung nicht hervor, ob Patienten mit einem negativen Sentinel-Lymphknoten vor oder nach dem Lokalrezidiv regionäre Lymphknotenmetastasen entwickelt haben (9,1 Prozent der Fälle). Fraglich bleibt, ob eine Sentinel-Lymphknotenbiopsie im Falle des Merkelzellkarzinoms aufgrund potenzieller Skip-Metastasen ausreichend ist. Bei Kopf-Hals-Karzinomen jedenfalls hat sich das Konzept der Sentinel-Lymphknotenbiopsie nicht durchgesetzt. Aufgrund dieser Überlegungen führen wir bei Merkelzellkarzinomen routinemäßig eine ipsilaterale Halslymphknoten-Dissektion durch und komplettieren diese bei bestimmten Lokalisationen des Primärtumors mit einer Parotidektomie.
Im Studienzeitraum von 1998 bis 2004 wurden allein an unserer Klinik acht Patienten mit Merkelzellkarzinom chirurgisch behandelt. Hochgerechnet auf etwa 170 HNO-Kliniken in Deutschland hätte man hier auf ein wesentlich größeres Patientenkollektiv und die speziellen Erfahrungen im Kopf-Hals-Bereich zurückgreifen können. Die entsprechenden Fachdisziplinen der Kopf-Hals-Chirurgie in die Umfrage miteinzubeziehen, wäre auch deshalb sinnvoll gewesen, weil Leitlinien dazu dienen sollen, fachgesellschaftsübergreifende Behandlungsstrategien zu vereinheitlichen.

Dr. med. Simon Florian Preuss
PD Dr. med. Jens Peter Klussmann
Klinik und Poliklinik für Hals-, Nasen-,
und Ohrenkrankheiten der Universität zu Köln
Joseph-Stelzmann-Straße 9, 50924 Köln
E-Mail: simon.preuss@uni-koeln.de

Interessenkonflikt
Die Autoren erklären, dass kein Interessenkonflikt im Sinne der Richtlinien des International Committee of Medical Journal Editors besteht.

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