ArchivDeutsches Ärzteblatt7/2007Umsetzung von Leitlinien bei seltenen Erkrankungen am Beispiel des Merkelzellkarzinoms: Schlusswort

MEDIZIN: Diskussion

Umsetzung von Leitlinien bei seltenen Erkrankungen am Beispiel des Merkelzellkarzinoms: Schlusswort

Dtsch Arztebl 2007; 104(7): A-436 / B-385 / C-373

Becker, Jürgen C.

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LNSLNS Der Diskussionsbeitrag von den Kollegen Preuss und Klussmann ist wichtig, weil hier die Rolle der interdisziplinären Versorgung von Patienten mit Merkelzellkarzinomen angesprochen wird. Die Relevanz des Kopf-Hals-Gebietes als Lokalisation des Merkelzellkarzinoms wird auch in unserer retrospektiven Erhebung deutlich, bei der etwa ein Drittel aller Tumoren in diesem Areal auftraten.
Leider haben die Autoren des Leserbriefes die Intention der von uns veröffentlichen Arbeit offensichtlich missverstanden. Die klinische Versorgung von Patienten mit Merkelzellkarzinomen sollte an einem Kollektiv deutscher Hautkliniken erhoben und mit den interdisziplinär erarbeiteten Leitlinien der Deutschen Krebsgesellschaft verglichen werden. Es ging also um die Praxisrelevanz der Leitlinien. Wir wollten keineswegs neue Richtlinien etablieren. Der Kritikpunkt, dass auch HNO-Kliniken hätten befragt werden können, ist gerechtfertigt. Leider stand uns für diese Versorgungsforschungsarbeit aber keine externe Förderung zur Verfügung, so dass wir den Hinweis der HNO-Kollegen gerne aufnehmen werden, um eine interdisziplinäre Umfrage unter Einbeziehung des Hals-, Nasen-, Ohren-ärztlichen Fachgebietes zu überdenken. Selbstverständlich stellt gerade das Merkelzellkarzinom ein Musterbeispiel für die interdisziplinäre Versorgung von Tumorpatienten dar. Ein interdisziplinär genutztes Online-Register für Merkelzellkarzinome wurde übrigens bereits etabliert (1).
Der Diskussionsbeitrag von Herrn Kollegen Breuninger überraschte uns ein wenig, weil offensichtlich auch er den Beitrag als eine Art „neue Leitlinie“ zur Behandlung von Merkelzellkarzinomen ansah. Herr Professor Breuninger gehört selbst dem Leitlinienkomitee für Hauttumoren der Deutschen Krebsgesellschaft an. Seine Kritikpunkte am operativen Vorgehen sind hinsichtlich des Fehlens großer, prospektiv-randomisierter Studien und kleiner Fallzahlen bei Berichten über Patientenserien absolut gerechtfertigt. Allerdings lässt sich trotz aller Bedenken nicht wegdiskutieren, dass in dieser – wie auch in anderen Erhebungen – die Anzahl von Lokal- und lokoregionären Rezidiven beim Einhalten der von uns vorgeschlagenen interdisziplinären Leitlinien unter Einbeziehung der Strahlentherapie deutlich geringer ist. Die von Herrn Professor Breuninger maßgeblich mit- und vor allem weiterentwickelte dreidimensionale histologische Aufarbeitung von Präparaten spielt bei sich per continuitatum ausbreitenden Tumoren eine entscheidene Rolle, darf aber beim Merkelzellkarzinom durchaus infrage gestellt werden. Das Merkelzellkarzinom besitzt im Gegensatz zum Basalzellkarzinom ein ausgesprochen hohes Risiko für Satelliten- und Intransitmetastasen, die auch durch die dreidimensionale Histologie nicht erfasst werden können. Zudem besitzt es die Fähigkeit zu einer rasch auftretenden Fernmetastasierung.
Abschließend möchten wir feststellen, dass an diesem doch recht seltenen Hauttumor ganz offensichtlich ein größeres Interesse als erwartet besteht. Wir erhoffen uns hiervon eine zukünftig weiter verbesserte interdisziplinäre Versorgung der betroffenen Patienten.


Anschrift für die Verfasser
Prof. Dr. med. Jürgen C. Becker
Universitätshautklinik Würzburg
Josef-Schneider-Straße 2
97080 Würzburg

Interessenkonflikt
Der Autor erklärt, dass kein Interessenkonflikt im Sinne der Richtlinien des International Committee of Medical Journal Editors besteht.
1.
Arbeitsgemeinschaft Dermatologische Onkologie: Online-Register für Merkelzellkarzinome.http://www.ado-homepage.de/index.php?ID=70
1. Arbeitsgemeinschaft Dermatologische Onkologie: Online-Register für Merkelzellkarzinome.http://www.ado-homepage.de/index.php?ID=70

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