ArchivDeutsches Ärzteblatt7/2007Börsebius: Der Überflieger des Jahres

GELDANLAGE

Börsebius: Der Überflieger des Jahres

Dtsch Arztebl 2007; 104(7): A-444 / B-392 / C-380

Rombach, Reinhold

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LNSLNS Es war am ersten Freitag dieses Monats, als mir auf dem Flug nach Stockholm eine großflächige Anzeige aus der FAZ ins Auge sprang. Ein gewisser Ulrich Engler prangte dort als „Investment-Banker des Jahres“. Donnerwetter. Da ich aus der Branche eigentlich Hinz und Kunz kenne, der Name Engler mir aber partout nichts sagen wollte, würde mir, nunmehr neugierig geworden, das Studium des Textes sicher weiterhelfen.
Der Mann, Chef der Investment-Banking-Firma „Private Commercial Office, Inc.“, wurde doch tatsächlich von seinen Kunden zum Investment-Banker des Jahres 2006 gewählt. Die werden es ja wissen, geht es schließlich und endlich um deren Kohle. Gottlob wird mir dieses Wissen aber nunmehr auch zuteil, denn im Anzeigentext wird eine fantastische Laudatio gesungen.
Daytrading, also Aktiengewinne auf die Schnelle, heißt das Zauberwort und, so habe ich den Eindruck, Engler und seine vielen Mitarbeiter machen eh alles besser als die Konkurrenz. „Wenn normale Trader den Aufwärtstrend erst erkennen und kaufen, verkaufen wir die Aktien bereits wieder mit Gewinn“, doziert der Meister unerschütterlich und weist auf die eigens entwickelte innovative Software hin, die in der Lage ist, „alle fünf Sekunden circa 35 000 Aktien auf dem amerikanischen Markt zu analysieren“.
Dann ist es ja kein Wunder, dass die Kunden superzufrieden sind, und die Renditen verlocken sowieso zu Jubelklängen. Da wird in einem Monat deutlich mehr verdient, als bei anderen Anlageformen in einem Jahr kaum drin ist. Für Januar dieses Jahres werden unglaubliche 14,845 Prozent ausgewiesen, im April letzten Jahres famose 18,086 Prozent, und der Februar 2005 steht mit protzigen 29,005 Prozent zu Buche. Ich frage mich allen Ernstes, wer diese mit drei Stellen hinterm Komma ausgewiesenen Traumrenditen für bare Münze nimmt. Mir jedenfalls fehlt der Glaube – sehr sogar, erst recht im Vorkommabereich.
Und siehe da. Ulrich Engler baut nach eigenem Bekunden die „erfolgreiche konservative Geschäftsphilosophie“ (da steht tatsächlich konservativ) mit einem neuen Produkt aus, dem „US-Land-Banking“. Der Mann beherrscht die Pauke wirklich genial. „Durch meine Beziehungen zu Banken und Großgrundbesitzern, und natürlich dem finanziellen Background, ist es nur eine Sache der Verhandlungen, in den Hotspots der USA große Grundstücksflächen im Paket weit unter dem Marktpreis aufzukaufen und zu erschließen.“ Der Handel mit Bauerwartungsland, von dem vorher keiner so recht wusste und das auf Engler anscheinend nur gewartet hatte, soll dem Anleger eine Verdoppelung seines Einsatzes in nur vier Jahren bringen. Natürlich ist die Anlage grundbuchlich in doppelter Höhe abgesichert, verspricht Ulrich Engler. Oh, Mann.
Beim Überflieger des Jahres ist alles denkbar. Bruchlandung inklusive.
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