SUPPLEMENT: Reisemagazin

TENERIFFA: Insel des ewigen Frühlings

Dtsch Arztebl 1997; 94(10): [16]

Berg, Detlef

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LNSLNS Alexander von Humboldt hätte es sich wohl kaum träumen lassen, welche Attraktivität Teneriffa bei den sonnenhungrigen Mitteleuropäern nur rund 200 Jahre nach ihm genießen würde. Obwohl der Weltreisende nur fünf Tage auf der Insel unterwegs war, hat ihn die landschaftliche Schönheit zutiefst beeindruckt. Seine Aufzeichnungen bezeugen das. Ihm zu Ehren wird ein Aussichtspunkt an der Landstraße von Santa Cruz nach Orotava der Humboldtblick genannt. 1 300 Kilometer vom spanischen Mutterland, aber nur 300 Kilometer von der westafrikanischen Küste entfernt, liegt die größte der Kanarischen Inseln. Teneriffa wurde im Altertum auch das "Land der Düfte" genannt oder "Insel des ewigen Frühlings". Beides ist bis auf den heutigen Tag richtig. Die Temperaturen sinken auch im Winter kaum unter 18 Grad, und selbst im Sommer steigen sie selten über 25 Grad - die Insel hat das gesündeste und ausgeglichenste Klima der Welt. Und so blüht übers ganze Jahr immer etwas, und die Passatwinde tragen die Blütendüfte über die Insel.
1495 wurde Teneriffa von den Spaniern erobert, viele Guanchen, die Ureinwohner, wurden als Sklaven verkauft. Lange Zeit war die Insel Stützpunkt für die Amerikafahrer. Erst in den späten fünfziger Jahren unseres Jahrhunderts begann sich der Tourismus zu entwickeln. Mancher Inselbewohner vertauschte sein Fischerboot mit einer Bodega, den Pflug mit einer Pension. Kleine Fischerdörfer verwandelten sich in Hotelstädte. Besonders im Süden entstanden Betonburgen wie Playa de las Americas oder Playa de los Christianos mit lauten Bars und endlosen Liegestuhlreihen. Die meisten Strände haben dunklen Lavasand, andere sind künstlich mit dem helleren Saharasand aufgeschüttet. Viele Touristen, die ein oder zwei Wochen nur am Pool oder am Strand verbringen, ahnen nicht, was ihnen entgeht.
Ein "Muß" für jeden Besucher ist ein Ausflug in die Cañadas im Zentrum der Insel und zum Pico del Teide, dem mit 3 718 Metern höchsten Berg von Spanien. Die Fahrt durch den riesigen Krater (zwölf Kilometer Durchmesser, 70 Kilometer Umfang) ist ein einmaliges Erlebnis.
Die Szenerie der verformten Lavabrocken mit ihren merkwürdigen Farbkombinationen und willkürlichen Figuren aus erstarrtem Magma gleicht einer Mondlandschaft. Am schönsten ist es hier am späten Nachmittag: die Sonne wirft bereits lange Schatten, taucht das Lavagestein in ein leuchtendes Rot, und es wird einsam, weil die Touristenbusse abrücken. Manchmal lüften sogar die Wolken ihren Schleier und geben den Blick frei auf den mächtigen, oft schneebedeckten Gipfel des Teide. Tief unter dem Gipfel liegt das "Tal der Kakteen", letzte Etappe eines einstmals blühenden Gewerbes - der Cochenille-Zucht. Auf den Opuntien (Feigenkakteen) produzierten die karminroten Cochenille-Schildläuse in südlicher Beschaulichkeit ihren Nachwuchs, bis braune Kanarierhände dem Treiben gewinnbringend ein Ende setzten. Kurz vor dem Schlüpfen wurden die Läuseeier behutsam eingesammelt und auf heißen Blechen geröstet. Was dann in den Handel kam, war das schönste Karminrot der Welt und eine Freude für alle Textilfärber. Doch mit den Anilinfarben kam ein völlig neues Rotgefühl auf den Markt und für die Läuse ein beschaulicherer Lebensabend.
Auch die einstigen großen Bananenplantagen sind geschrumpft. Doch es gibt sie noch, vor allem an der Nordküste. Dort liegt auch Puerto de la Cruz, die drittgrößte Stadt der Insel. Die gepflegte Uferpromenade beginnt im Osten am legendären Café "Columbus" und führt dann zur Badelandschaft "Lago Martines". Der auf den Kanarischen Inseln berühmte Künstler und Architekt Cesar Manrique hat die imposante Anlage entworfen. Er richtete sich streng nach den Vorgaben der Landschaft, und so fügt sich die künstliche Lagunenlandschaft wunderbar in den Uferabschnitt ein.
Direkt am Meer liegt auch die Hotelanlage des Maritim, umgeben von einem herrlichen subtropischen Palmengarten. Nur wenige hundert Meter von hier sind es zum Loropark. Der Name steht für ein Konzept, das auf 120 000 Quadratmetern Natur auf unterhaltsame Weise nahezubringen versucht. Da ist die größte Papageiensammlung der Welt, darunter befinden sich auch zahlreiche vom Aussterben bedrohte Arten. Und der Park verfügt über eines der größten Aquarien der Welt mit einem riesigen Unterwassertunnel, in dem sich zahlreiche Haie tummeln. Sensationell ist die Delphin-Show mit ihrem perfekten Zusammenspiel von Tier und Mensch oder auch die hinreißenden Aufführungen mit den possierlichen Seelöwen.
Rings um die Plaza del Charco in Puerto de la Cruz finden wir eine große Menge gemütlicher Bars und uriger Kneipen. Auf der Karte stehen Butifarron, eine mit Mandeln gesüßte Blutwurst, kanarischer Käse oder kanarische Kartoffeln mit Mojo, einer pikanten Kräutersoße. Die Kartoffeln werden im salzigen Meereswasser gekocht und samt Schale gegessen. Hauptgerichte sind neben Lamm auch Kaninchen und frischer Fisch. Die Auswahl reicht dabei von Seezunge bis zum Papageienfisch. Dazu wird spanisches Bier oder süffiger Landwein getrunken. Die Stimmung ist ausgelassen. "Salud, amor y pesetas", ruft mir jemand zu - Gesundheit, Liebe, Geld. Was könnte ich mir mehr wünschen? Detlef Berg


Informationen: Spanische Fremdenverkehrsämter - Frankfurt/M., Telefon 0 69/72 50 84, München, Telefon 0 89/5 38 90 75, Düsseldorf, Telefon 02 11/6 80 39 82, Berlin Telefon 0 30/8 82 65 43.
Anreise: Ganzjährig mit Linien- und Charterflügen (zum Beispiel Condor, Lufthansa, LTU), Flugzeit etwa vier Stunden.
Klima: Ganzjährig mildes Klima, im Januar/Februar um 18 Grad, im August um 25 Grad, Wassertemperatur zwischen 18 Grad im Winter und 23 Grad im Sommer.
Hotels: Maritim Hotel und Aparthotel mit dem ersten Wellness-Vital-Center auf den Kanarischen Inseln, zwei Wochen Übernachtung inkl. Frühstück ab 1 793 DM, Maritim Reisedienst, Königsallee 66, 40212 Düsseldorf, Telefon 02 11/32 98 40.

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