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RANDNOTIZ: Jahrmarkt

Dtsch Arztebl 2007; 104(8): A-453 / B-401 / C-389

Jachertz, Norbert

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LNSLNS Gäste, die Angela Merkel in ihrem Dienstsitz besuchen, erfassen jetzt mit zwei Blicken, wie weit es unser Land gebracht hat. Blick nach vorn: das auftrumpfende Kanzleramt. Blick zurück: die Charité. Nein, nicht als die Vorzeigeklinik, sondern als Werbeträger. Dieser Hort wissenschaftlicher Exzellenz scheint nämlich finanziell derart heruntergekommen zu sein, dass er sich auf dem Jahrmarkt der Sponsoren verkaufen muss. Das marode Bettenhaus, an dem seit DDR-Zeiten nichts gemacht wurde, muss saniert werden. Schon seit Monaten sichern Netze die bröckelnde Fassade. Nun steht ein Baugerüst, das mit riesigen, von Scheinwerfern beleuchteten Postern bespannt ist. Man könne hinaussehen, versichert immerhin die Verwaltung, es handele sich um ein Gitternetz. Zudem werde es nur bis 23 Uhr angestrahlt. Auch prangt weiterhin der Schriftzug Charité über der Reklame.
Angeblich soll die Werbung jährlich eine Million Euro einbringen. Da darf das bisschen Imageverlust doch nicht stören. Auch machen´s andere ja längst so. Über Monate war ein Gerichtsgebäude in der Hauptstadtmitte in die knallroten Farben eines Mobilfunkanbieters gehüllt, und das Brandenburger Tor war nicht zu schade für die Umhüllung durch einen ähnlichen Konzern.
Mithilfe der Charité wirbt nun die neue Glitzer-Zeitschrift Vanity Fair, zu Deutsch Jahrmarkt der Eitelkeiten. Auf den Betrachter wirkt die Inschriftenkombination „Charité – Vanity Fair“ unerwartet komisch – ein Jahrmarkt der Eitelkeiten hinter dem Gitternetz? Solche sollen ja gelegentlich gepflegt werden.
Ansonsten ist die Sache nicht komisch, sondern beschämend, wenn auch zeitgemäß: (Jahr-)Markt ist überall.
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