ArchivDeutsches Ärzteblatt8/2007Wissensmanagement im Gesundheitswesen: „Macht auf eure Schränke“

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Wissensmanagement im Gesundheitswesen: „Macht auf eure Schränke“

Dtsch Arztebl 2007; 104(8): A-460 / B-408 / C-396

Krüger-Brand, Heike E.

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Seit 15 Jahren informiert die HealthCare Arena – neuerdings innerhalb der Learntec – über aktuelle Lösungen aus verschiedenen Bereichen des Gesundheitswesens.
Seit 15 Jahren informiert die HealthCare Arena – neuerdings innerhalb der Learntec – über aktuelle Lösungen aus verschiedenen Bereichen des Gesundheitswesens.
Lebenslange Fortbildung unter Einsatz neuer Lehr- und Lernformen wird im Gesundheitsbereich immer wichtiger.

Wie lassen sich neue Medien und Lernformen sinnvoll im Gesundheitswesen nutzen? Das ist eine der Fragen, die in der „Health- Care Arena“ während der Bildungsmesse Learntec in Karlsruhe erörtert wurden. „Gut ausgebildete Mitarbeiter bedeuten Wettbewerbsvorteile“, betonte Karin Gräppi, Leiterin der Personalentwicklung und Akademie des Helios-Konzerns. Ein wesentliches Ziel des Unternehmens, zu dem inzwischen 58 Kliniken mit 26 000 Mitarbeitern gehören, sei der systematische Ausbau zum Wissenskonzern. Es gelte, bestehende Wissensstrukturen in den einzelnen Häusern weiter auszubauen und zu vernetzen, um das Wissen der Mitarbeiter im Sinne einer „Wissens-Team-Leistung“ für alle abrufbar zu halten, so Gräppi. Rund fünf Millionen Euro (mindestens 0,25 Prozent des Umsatzes) steckt der Konzern jährlich in die Weiter- und Fortbildung seiner Mitarbeiter. Eine wesentliche Komponente im Rahmen dieser Strategie ist das AiW/extra-Programm (Arzt in Weiterbildung), das neben der fachspezifischen auch eine außerfachliche Fortbildung der Assistenzärzte vorsieht, wie etwa Kurse zu professioneller Kommunikation. Darüber hinaus umfasst das Wissensmanagementkonzept eine eigene Datenbank für klinische Studien und eine Online-Bibliothek mit circa 260 elektronischen Zeitschriften sowie aktuellen Beiträgen und Publikationen von Mitarbeitern des Konzerns.
„Helios-Wiki“ im Aufbau
Als Umsetzungsorgan für die interne Aus-, Weiter- und Fortbildung ist seit rund einem Jahr die „Helios Akademie“ aktiv, die Strategien für künftige Fortbildungsmaßnahmen entwickeln und den Ausbau der zentralen Kommunikationsplattform unter www. helios-wissen.de vorantreiben soll. Orientiert an der freien Internet-Enzyklopädie Wikipedia, wird ein „Helios-Wiki“ aufgebaut, eine Datenbank, in der brachliegendes Wissen der Mitarbeiter zusammengeführt werden soll. Im Rahmen dieses Angebots entsteht unter anderem eine Mediathek mit Fortbildungsvideos und Animationen. „Solche Fortbildungssequenzen, etwa zur Nahttechnik, zum Legen eines Katheters oder zur Reanimation, müssen wir nur einmal entwickeln oder einkaufen und können sie anschließend in sämtlichen Häusern des Konzerns online verfügbar machen“, erläuterte Dr. med. Parwis Fotuhi, der Leiter der Akademie. Das vorhandene interne Know-how abzurufen ist allerdings keine leichte Aufgabe: „Die Bereitschaft, das Wissen zu teilen, ist leider nicht immer vorhanden“, so Fotuhi. Daher habe man die Aktion „Macht auf eure Schränke“ gestartet, mit der Ärzte dazu bewogen werden sollen, Video- und Bildmaterial sowie ihr fachspezifisches und erfahrungsbasiertes Wissen aus der klinischen Routine anderen Kollegen und Mitarbeitern zur Verfügung zu stellen.
Mit unerwartet vielen Problemen bei der Einführung von E-Learning in die ärztliche Fortbildung hatte die Lan­des­ärz­te­kam­mer Hessen zu kämpfen. Seit 2001 erprobt die Kammer das Modell des Blended Learning – die Kombination von Präsenzlernen und E-Learning – in ihrem Fortbildungszentrum in Bad Nauheim (www.fbz-hessen.de) und führte 2002 ein erstes Pilotprojekt durch. Die Erfahrungen: Inhalte für das E-Learning zu erstellen erwies sich als aufwendiger und teurer als zunächst gedacht. Darüber hinaus stellten die Referenten ihre Lehrinhalte nur widerstrebend zur Verfügung, Fragen des Copyrights und der Vermarktung blieben ungeklärt. Bei den Veranstaltungsbesuchern hingegen fehlte teilweise die Bereitschaft zur Projektteilnahme. Inzwischen hat man mit der Planung für ein Blended-Learning-Projekt in der Weiterbildung für Arbeitsmediziner begonnen. „Neben der Verkürzung der Präsenzlernphasen für die Teilnehmer soll mit diesem Ansatz die Möglichkeit des modularen Aufbaus der ärztlichen Weiter- und Fortbildung, mit entsprechenden E-Learning-Anteilen, evaluiert werden“, erläuterte Wolfgang Römer, Leiter Technische Dienste des Fortbildungszentrums.
Dass Ärzte sich fortbilden, gehöre seit jeher zum Selbstverständnis des ärztlichen Berufsbildes, betonte Karin Brösicke, Bundes­ärzte­kammer. Neu sei jedoch die mit dem GKV-Modernisierungsgesetz verankerte Pflicht zur Dokumentation der Fortbildungsbemühungen, welche die Ärzte innerhalb einer Frist von fünf Jahren durch das Sammeln von Fortbildungspunkten und ein Fortbildungszertifikat ihrer Ärztekammer nachweisen müssten. Spätestens mit dem Ende des ersten Zyklus Mitte 2009 sei zu fragen: „Geht es beim Run auf die Fortbildungspunkte nur darum, mit wenig Aufwand möglichst viele Punkte zu sammeln? Werden die richtigen Anreize gesetzt? Wie kann man die ärztliche Kompetenz messen? Was bringt die ärztliche Fortbildung wirklich, und was kommt davon beim Patienten an?“
Heike E. Krüger-Brand
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