ArchivDeutsches Ärzteblatt8/2007Früherkennung des Prostatakarzinoms: Bessere Aufklärung vor PSA-Screening

MEDIZIN: Diskussion

Früherkennung des Prostatakarzinoms: Bessere Aufklärung vor PSA-Screening

Dtsch Arztebl 2007; 104(8): A-503 / B-443 / C-430

Chenot, Jean-François

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS Die Schlussfolgerung, ab 40 Jahren mit dem PSA-Screening zu beginnen, ist nicht nachvollziehbar. Die Autoren widersprechen ihrer Zusammenfassung, zudem ist das Prostatakarzinom, wie ebenfalls angeben, vor dem 50. Lebensjahr selten. Aus dem Bayes-Theorem ergibt sich: je niedriger die Vortestwahrscheinlichkeit, umso niedriger die Nachtestwahrscheinlichkeit (1).
Meine Schlussfolgerung lautet: die Effektivität des PSA-Screenings ist, wie die Autoren richtig schreiben, nicht bewiesen; daher müssen Männer gründlich aufgeklärt werden. Dieser Artikel erlaubt es nicht, Schlüsse über die Vor- und Nachteile zu ziehen. Es wird nicht angeben, dass 12 000 an Prostatakrebs Versterbende circa drei Prozent der jährlich sterbenden Männer sind. Um die Zahl einordnen zu können, wäre das Durchschnittsalter, in dem sie versterben, wichtig.
Angaben zur Sensitivität und Spezifität, um die Anzahl der falschpositiven Befunde abzuschätzen zu können, fehlen. Die Früherkennung an sich hat keinen Wert. Es wird angegeben, dass radikal prostatektomierte Männer nach zehn Jahren im Vergleich zu Untherapierten nur 15 Prozent statt 25 Prozent Fernmetastasen haben. Das ergibt eine NNT („number needed to treat“) von 10, das heißt, nur einer von zehn Operierten profitiert in Bezug auf den Endpunkt. Neben dem Nutzen muss auch der Schaden betrachtet werden, daher sollten nicht nur Komplikation der Prostatabiopsie sondern auch die Folgen der radikalen Prostatektomie und anderer Behandlungen berücksichtigt werden. In einer Studie waren 24 Monate nach radikaler Prostatektomie anstatt 78 Prozent nur noch 32 Prozent kontinent, und die Zahl der Männer mit sexuellen Funktionsstörungen stieg von 18 auf 42 Prozent (2). Das PSA-Screening erfüllt nicht die etablierten WHO-Kriterien und wird nicht ausreichend kritisch dargestellt (3).


Dr. med. Jean-François Chenot, MPH
Abteilung Allgemeinmedizin
Georg-August-Universität
Humboldtallee 38, 37073 Göttingen
E-Mail: jchenot@gwdg.de
1.
Kadane JB: Bayesian methods for health-related decision making. Stat Med 2005; 24: 563–7. MEDLINE
2.
Stanford JL, Feng Z, Hamilton AS et al.: Urinary and sexual function after radical prostatectomy for clinically localized prostate cancer. JAMA 2000; 283: 354–60. MEDLINE
3.
Wilson JMG, Jungner G: Principles and practice of screening for disease. Public Health Papers 34. Geneva: World Health Organisation, 1968.
1. Kadane JB: Bayesian methods for health-related decision making. Stat Med 2005; 24: 563–7. MEDLINE
2. Stanford JL, Feng Z, Hamilton AS et al.: Urinary and sexual function after radical prostatectomy for clinically localized prostate cancer. JAMA 2000; 283: 354–60. MEDLINE
3. Wilson JMG, Jungner G: Principles and practice of screening for disease. Public Health Papers 34. Geneva: World Health Organisation, 1968.

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige