ArchivDeutsches Ärzteblatt8/2007Früherkennung des Prostatakarzinoms: PSA-Screening nicht ab 40 Jahren

MEDIZIN: Diskussion

Früherkennung des Prostatakarzinoms: PSA-Screening nicht ab 40 Jahren

Dtsch Arztebl 2007; 104(8): A-504 / B-444 / C-431

Klug, Stefanie

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LNSLNS Das Prostatakarzinom ist in Deutschland mit 22,3 Prozent die häufigste bösartige Neubildung beim Mann, bei den zum Tode führenden Krebserkrankungen steht es mit 10,4 Prozent an dritter Stelle. Das mittlere Erkrankungsalter liegt bei etwas über 70 Jahren, Erkrankungen vor dem 50. Lebensjahr treten kaum auf (1).
Fakt ist, dass in Deutschland eine rektale Palpation der Prostata für alle Männer ab 45 Jahre einmal jährlich als Regelleistung von den gesetzlichen Krankenkassen (GKV) finanziert wird (§25 SGB V). Ein oberes Alterslimit gibt es hierbei nicht. Die Bestimmung des PSA-Wertes ist eine IGeL-Leistung, die nicht in der gesetzlichen Früherkennung verankert ist und nicht von der GKV getragen wird. Der PSA-Test gehört nicht zu den Regelleistungen der gesetzlichen Krebsfrüherkennung (2). Ein aktueller Cochrane Review kommt zu dem Schluss, dass gegenwärtig keine hinreichende Evidenz vorliegt, dass ein Screening, weder mit der rektalen Palpation noch mit dem PSA-Test, zu einer Reduktion der Mortalität des Prostatakarzinoms führt (3).
Weil ein bevölkerungsbezogener Nutzen der Früherkennung mit dem PSA-Test bisher nicht nachgewiesen ist, sondern dieser Test, wie auch in dem Artikel dargestellt, erhebliche Probleme birgt, ist die Schlussfolgerung der Autoren in Zukunft bereits im Alter von 40 Jahren mit dem PSA-Test zu beginnen, nicht nachzuvollziehen.


Dr. rer. nat. Stefanie Klug, MPH
Institut für Medizinische Biometrie, Epidemiologie und Informatik (IMBEI)
Klinikum der Universität Mainz
Obere Zahlbacher Str. 69, 55101 Mainz
1.
Krebs in Deutschland – Häufigkeiten und Trends, Gesellschaft der epidemiologischen Krebsregister in Deutschland e.V., 5. Ausgabe, 2006.
2.
Bundesministerium für Gesundheit und Soziale Sicherung: Saarbrücken, http://www.bmg.bund.de
3.
Ilic D et al.: Screening for prostate cancer. Cochrane Database of Systematic Reviews 2006, Issue 3: 1–25. MEDLINE
1. Krebs in Deutschland – Häufigkeiten und Trends, Gesellschaft der epidemiologischen Krebsregister in Deutschland e.V., 5. Ausgabe, 2006.
2. Bundesministerium für Gesundheit und Soziale Sicherung: Saarbrücken, http://www.bmg.bund.de
3. Ilic D et al.: Screening for prostate cancer. Cochrane Database of Systematic Reviews 2006, Issue 3: 1–25. MEDLINE

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