ArchivDeutsches Ärzteblatt8/2007Früherkennung des Prostatakarzinoms: Schlusswort

MEDIZIN: Diskussion

Früherkennung des Prostatakarzinoms: Schlusswort

Dtsch Arztebl 2007; 104(8): A-504

Börgermann, Christof

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LNSLNS Die Früherkennung des Prostatakarzinoms ist ein kontrovers diskutiertes Thema, schon allein deswegen, weil valide Daten zur Reduktion der Mortalität durch Screening bislang fehlen und nicht vor 2008 zu erwarten sind. Aus diesem Grund bezieht sich unsere Arbeit ausschließlich auf die Früherkennung; hier ist es unstrittig, dass der individuelle Patient von einer Früherkennungsmaßnahme profitieren kann.
Wie ausführlich dargestellt, ist den Autoren die vielschichtige Problematik der Früherkennung bewusst. Ziel muss es daher sein, neue Konzepte zu entwickeln, die eine effektivere Früherkennung ermöglichen. Eine Möglichkeit ist, die Früherkennung risikoadaptiert durchzuführen. Dabei sollen die Patienten identifiziert werden, die einer kurativen Therapie zugeführt werden müssen. Andererseits sollen die Patienten, die möglicherweise ein insignifikantes Prostatakarzinom haben (circa 40 Prozent in der Altersgruppe ab 50 Jahren), erst gar keiner weiteren Diagnostik zugeführt werden. Die PSA-Anstiegsgeschwindigkeit kann dabei als Indikator für die Aggressivität eines Prostatakarzinoms herangezogen werden. Um diesen Ansatz umzusetzen, ist es erforderlich, bei allen Männern zur Früherkennung den „normalen“ also vermeintlich unauffälligen PSA-Wert zu kennen.
Setzt die Früherkennung erst mit dem 50. Lebensjahr ein, sind schon 20 Prozent aller PSA-Werte größer als 4 ng/mL. Im Alter von 40 Jahren zu beginnen, ist willkürlich festgelegt und basiert auf eigenen Daten, die zeigen, dass hier nur ein minimaler Anteil von PSA-Werten größer als 4 ng/mL sein wird. Rechnerisch würde das vorgestellte Modell zu einer Reduktion an Früherkennungsmaßnahmen führen. Dieses Modell wird als möglicher Lösungsweg zur Verbesserung der Früherkennung vorgeschlagen und soll selbstverständlich nicht die aktuellen Leitlinien ersetzen. Im Rahmen der Weiterentwicklung der neuen Leitlinien wird dieses Modell wissenschaftlich begleitet werden und gegebenenfalls in diese integriert.
Der Nutzen der Bildgebung bei der Früherkennung des Prostatakarzinoms ist heute äußerst begrenzt. Es gibt viel versprechende Untersuchungen mit dem PET-CT, die sich aber auf das Staging nach der primären Diagnose beziehen. Zwar können bei hohen PSA-Werten (> 10 ng/mL) eine große Zahl an nuklearmedizinisch positiven Befunden auch einem Karzinom zugeordnet werden, diese Patientengruppe hat jedoch nur noch in weniger als der Hälfte der Fälle die Chance auf eine kurative Therapie. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt existieren keine validen Daten, die den generellen Einsatz bildgebender Verfahren rechtfertigen. Zusammenfassend bleibt festzuhalten, dass die Früherkennung des Prostatakarzinoms optimiert werden muss, um die Patienten rechtzeitig zu behandeln ohne eine Übertherapie durchzuführen.

Dr. med. Christof Börgermann
Klinik und Poliklinik für Urologie
Hufelandstraße 55, 45122 Essen

Interessenkonflikt
Die Autoren aller Diskussionsbeiträge erklären, dass kein Interessenkonflikt im Sinne der Richtlinien des International Committee of Medical Journal Editors besteht.

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