ArchivDeutsches Ärzteblatt8/2007Paul Klee. Magisch und mystisch

KULTUR

Paul Klee. Magisch und mystisch

Dtsch Arztebl 2007; 104(8): A-511 / B-451

Rehbein, Maja

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS
Hans Suter: Paul Klee und seine Krankheit. Stämpfli, Bern, 2006, 272 Seiten, gebunden, 37 €
Hans Suter: Paul Klee und seine Krankheit. Stämpfli, Bern, 2006, 272 Seiten, gebunden, 37 €
Erst 40 Jahre nach Paul Klees (1880–1940) Tod wurde die erste wissenschaftliche Arbeit über seine Erkrankung publiziert. Die Diagnose Sklerodermie ist posthum, jedoch mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit gestellt. Suter untermauert sie mit Befunden, Aussagen von Personen, die Klee gekannt haben, und Beobachtungen anhand seiner Werke. Es handelte sich um die diffuse Form mit ungünstigem Verlauf (Beteiligung von Herz, Niere und Magen-Darm-Trakt). Der Nichtbefall der Hände war ein Glück für den Künstler. Die Erkrankung begann 1935. Klees Gesicht verlor das Mienenspiel, zeigte weder Freude noch Schmerz. Klees Geist aber blieb lebendig, seine Beweglichkeit nahm hier eher zu als ab. Mehr als ein Drittel seines Werkes entstand während dieser Krankheit.
Paul Klee war keine faustische Natur, urteilt Suter. Ohne Bruch oder Verirrungen sei er seinen Weg zur Vollendung gegangen. Er war, wie er malte: rein, klar und liebenswert, Gegensätze verbindend. Seine positive Einstellung zum Tod ist ein Teil seiner Geistigkeit.
Suter beschreibt Klees Werk als Arzt und Kunstsachverständiger. Er sieht ihn als malenden, zeichnenden Philosophen, der keiner Stilrichtung zuzuordnen ist. Wissenschaftlich-sachlich und zugleich in Bewunderung dem Maler ergeben, versucht er, sich der genialen Spiritualität Klees zu nähern. Seine Ausführungen zu den zahlreichen Bildern sind aufschlussreich. Suter schildert Klees Leben, Krankheit und Werk und erklärt auch viele künstlerische und medizinische Sachverhalte. Der Autor war im Jahr 2005 maßgeblich an der Ausstellung „Paul Klee und seine Krankheit“ im Zentrum Paul Klee, Bern, beteiligt.
Da Paul Klee als selbstlos geschildert wird, hat er sicherlich oft nicht sich selbst, sondern das modellhafte Prinzip seines inneren Zustands dargestellt. Auch seine Werktitel sah er nicht als verbindlich an, sondern eher als Anregung zum Verständnis seiner Bilder. Diese Studie, die größte ihrer Art bisher, ist für kunstinteressierte Dermatologen und Ärzte anderer Fachrichtungen, aber auch für Laien sehr zu empfehlen. Sie vermittelt die Begeisterung Suters für diesen Maler, denn Klees „poetische Kunst ist, wie der charismatische Maler selbst, magisch und mystisch – und doch so menschlich nah“. Maja Rehbein
Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema